Nächste Bomben-Suche in Grevenbroich Blindgänger-Verdacht im Stadion

Grevenbroich · Bomben-Suche, die Nächste: Diesmal wird ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg an denkbar prominenter Stelle vermutet – unter dem Fußballplatz im Stadion. Ende März wird sondiert. Was das für den Hybridrasen bedeutet und wie der TuS reagiert.

Blick auf das Grevenbroicher Schlossstadion. Im nördlichen Teil des Fußballspielfelds wurde ein Blindgänger-Verdachtspunkt ausgemacht.

Foto: Kandzorra, Christian

Möglicherweise kicken die Fußballer des TuS Grevenbroich seit Jahrzehnten auf einer Bombe: Experten des Kampfmittel-Beseitigungsdienstes haben bei der Auswertung von Luftaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg einen Blindgänger-Verdachtspunkt im Schlossstadion ausgemacht – mitten auf dem Fußballplatz, konkret in der nördlichen Hälfte des Spielfelds. Über den unschönen Verdacht hat die Grevenbroicher Stadtverwaltung den TuS und weitere betroffene Vereine informiert.

Anlass zur Auswertung der Luftaufnahmen hatte die geplante Sanierung des Stadions gegeben. Das Areal soll nun abgesucht werden – ähnlich wie zuletzt ein Acker in Elfgen und ein Baugrundstück in Noithausen. Die Sondierungsarbeiten auf dem Fußballplatz sollen Ende März beginnen, nach Informationen der Redaktion am 25. März. die Stadt hatte bei der Bezirksregierung auf einen möglichst zeitnahen Termin gedrängt; sie will die Einschränkungen für Sportler gering halten.

Gleichwohl will die Verwaltung schon Wochen vor der Untersuchung des Untergrunds proaktiv informieren, wie Rathaus-Sprecher Lukas Maaßen sagt: „Die Fußballer sollen wissen, dass der Verdacht einer Bombe unter ihrem Spielfeld besteht. Ob dort tatsächlich seit 80 Jahren ein Sprengkörper im Erdreich schlummert, kann jedoch erst nach Auswertung der Sondierungsergebnisse gesagt werden.“

Die Fußballabteilung des TuS Grevenbroich wurde am Dienstagmittag offiziell von der Stadt über den Blindgänger-Verdacht informiert. „Wir haben direkt für den Abend eine außerordentliche Sitzung einberufen und alle Trainer informiert“, sagt Friedel Geuenich, Vorsitzender der Fußball-Abteilung beim TuS. Im Verein sei man übereingekommen, den Verdachtspunkt auf dem Spielfeld weiträumig absperren zu lassen. Noch diesen Freitag soll der betroffene Bereich abgeriegelt werden. „Mit dem jetzigen Wissen können wir nicht mehr verantworten, dass dort jemand spielt“, sagt Geuenich. Zumindest der südliche Teil des Hybridrasen-Spielfelds soll aber weiterhin nutzbar bleiben. Die übrigen Teile der Sportanlage bleiben von den Vorgängen unberührt.

Die Fußballer gehen davon aus, dass Heimspiele verlegt werden müssen

Die Fußballer gehen davon aus, dass im März und April wichtige Heimspiele ihrer D-Jugend und der ersten Mannschaft nicht im Schlossstadion stattfinden können. „Wir haben deshalb Kontakt zur SG Orken-Noithausen geknüpft und gefragt, ob die Spiele unserer ersten Mannschaft dort freitagabends stattfinden können. Ich muss sagen: Hut ab – die Zusammenarbeit klappt wunderbar. Wir sind den Orkenern sehr dankbar“, sagt Geuenich. Seine Hoffnung ist, dass das Kreispokal-Endspiel am 21. April wieder im Schlossstadion stattfinden kann, sozusagen als „Wiedereröffnung“.

Auch in Sachen Hybridrasen sind die Fußballspieler schon aktiv geworden. Sie haben Kontakt zu dem Unternehmen aufgenommen, das den Rasen einst erstellt hat. Der Eine mehrere Quadratmeter große Fläche soll „abgeschält“ und zwischengelagert werden, bevor die Bomben-Suche beginnt. So soll der Rasen vor einer Durchlöcherung geschützt werden, denn Teil der Sondierung werden auch zahlreiche, jeweils mehrere Meter tiefe Bohrungen sein, in die spezielles Messgerät zur Boden-Untersuchung eingelassen wird. Der Plan ist, den Boden nach Abschluss der Arbeiten wieder zu verdichten und – vereinfacht ausgedrückt – „den Teppich wieder drüber zu legen“. „Der Rasen sollte im Frühjahr bei gutem Gießen wieder anziehen“, gibt sich Friedel Geuenich optimistisch.

Für den Fall, dass es – wie zuletzt in Noithausen und Elfgen – bei den Probebohrungen bleibt und keine Bombe gefunden wird, glaubt auch die Stadt an eine schnelle Wiederherstellung des Spielfelds. Anders dürfte sich die Sache darstellen, wenn tatsächlich eine Anomalie im Erdreich festgestellt wird. Ein etwaiger Metallkörper müsste dann freigelegt werden, dafür müsste ein entsprechend großes Loch gebuddelt werden. Die Stadt geht für diesen Fall davon aus, dass eine Wiederherstellung des Spielfelds mit erheblichem Aufwand verbunden ist. Das Rathaus stehe in engem Austausch mit allen Beteiligten und setze alles daran, die Auswirkungen auf den Sportbetrieb so gering wie möglich zu halten, heißt es.

Sollte bei den Arbeiten Ende März tatsächlich eine Bombe zum Vorschein kommen, wird in Abhängigkeit der Sprengkraft ein Evakuierungsradius bestimmt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit lägen auch sensible Einrichtungen in diesem Radius – etwa das Seniorenzentrum Albert-Schweitzer-Haus und die Kita am Hartmannweg. Auch wäre das Schlossbad betroffen, dazu Teile der Fußgängerzone, wahrscheinlich auch die Coens-Galerie.

Die Verwaltung will die Öffentlichkeit – insbesondere Anwohner und Unternehmen in der nahen Umgebung – frühzeitig und umfassend über die Sondierungsarbeiten und eine mögliche Evakuierung informieren. Bewohner in der Umgebung sollen auch mithilfe von Flyern informiert werden, die in die Briefkästen eingeworfen werden. Die Stadt bittet darum, zum aktuellen Zeitpunkt von Rückfragen abzusehen.