Meerbusch: Raus aus der Schuldenfalle
Der Sozialdienst Katholischer Männer berät in Meerbusch Menschen in finanziellen Notlagen.
Meerbusch. Seit mehr als zehn Jahren berät Uwe Simons für den Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) Neuss und im Auftrag der Stadt Meerbusch Menschen in finanziellen Notlagen. Schuldnerberatung nennt sich das, und dass er arbeitslos würde, muss er nicht fürchten.
Auch in der gerne so genannten "Stadt der Millionäre" gibt es viele Menschen, die als überschuldet gelten. 3518 waren es 2006. Die Summen spielen dabei keine Rolle: Es komme darauf an, was der Betrag für den Betroffenen bedeute. So könne manch einer mit 30 000 Euro Schulden gut schlafen, während ein anderer wegen fehlender 5000 Euro ein Insolvenzverfahren anstrengen müsse. "Es geht immer um die Relation zum Einkommen und die psychische Belastung", macht Simons deutlich.
Der Anstieg der Schuldner-Beratungen im vergangenen Jahr - 180 Haushalte und 552 Personen waren betroffen - geht auch auf die Tätigkeit der Arge zurück: 30 Kunden wurden Simons vom Fallmanager der Arge zugewiesen.
Doch auch der Bekanntheitsgrad des Angebots spielt eine Rolle: Nachdem die Super-Nanny den renitenten Nachwuchs zwecks Beruhigung und nachhaltiger Besserung auf allen Privatsendern auf die Treppe setzen durfte, spielen die nun die Retter aus der Schuldenfalle - öffentlichkeitswirksam und fachlich nicht immer korrekt.
Uwe Simons muss nicht in die Programmzeitschrift schauen, um zu wissen, wann eine solch eher auf Unterhaltung denn auf seriöse Information gestrickte Sendung läuft: Am nächsten Tag klingelt bei ihm unablässig das Telefon. Dass er viele Hoffnungen dieser großen Anzahl Ratsuchender enttäuschen muss, liegt in der Natur des Schuldenabbau-Prozesses, der im TV schon aus dramaturgischen Gründen nicht umfassend dargestellt wird.
Simons und seine Kollegen beraten Menschen jeden Alters und jeder Gesellschaftsschicht. "Schulden sind auch nicht geschlechtsspezifisch", verweist er auf den etwa gleich hohen Anteil von Frauen und Männern. Trennung beziehungsweise Scheidung und Arbeitslosigkeit seien häufig Ursachen einer Überschuldung.
Knapp 50 Prozent der Kunden der Schuldnerberatung sind Arbeitslose. Bei jungen Menschen sind es vor allem Computer- und Handyrechnungen, die sie in die roten Zahlen treiben. "Die Leute machen immer früher Schulden, aber sie kommen nicht früher zu uns", sagt Simons. "Die meisten sind zwischen 30 und 50 Jahre alt."
Simons’ Arbeit zielt nicht nur auf eine ferne Entschuldung. In erster Linie hilft er bei der Existenzsicherung. Er klärt auf über Pfändungen oder Sparmöglichkeiten, entwirft gemeinsam mit dem Kunden Haushaltspläne, reagiert auf und hilft in Krisen, leitet Insolvenzverfahren ein und begleitet sie bei Bedarf. Und er versucht darauf zu achten, welche weiteren Hilfen ein Klient möglicherweise benötigt.
Schuldnerberatung, betont Simons, sei kein niederschwelliges Angebot. Auch deshalb müssten viele, auch Lehrer oder Erzieher darauf achten, ob sie in ihrer Umgebung Anzeichen finanzieller Not entdeckten. Auch deshalb freut er sich, dass die Zusammenarbeit mit dem Familienzentrum im Sonnengarten in Büderich gut angelaufen ist. Nach einer Informationsveranstaltung gab es dort auch schon erste Beratungen.