Shuffleboard: Der gezielte Stoß mit dem Cue

Bei den ersten offiziellen Spielen in Meerbusch ging es familiär und freundlich zu.

Osterath. Shuffleboard macht süchtig. Davon sind zumindest zwei Dutzend Osterather felsenfest überzeugt. Schuld daran ist Heinz-Dieter Hußmann, der das amerikanische, dem Curling nicht unähnliche Spiel während eines Urlaubsaufenthaltes gerne praktizierte. Nach Osterath zurückgekehrt, musste er feststellen: "Das gibt es hier in Deutschland gar nicht." Und was macht ein anständiger Deutscher in so einem Fall: "Er gründet natürlich einen Verein", gibt Hußmann selbst die Antwort.

Die "German Shuffleboard Association", kurz GSA, hat ihren Standort inzwischen in Frankfurt, wo Hußmann berufsbedingt hingezogen ist. Zuvor ließ er es sich jedoch nicht nehmen, eine Reihe von Mitgliedern und Freunden des OSV Meerbusch zu infizieren. Und so war es fast folgerichtig, dass jetzt in der Barbara-Gerretz-Schule ein offizielles Shuffleboard-Turnier stattfand, bei dem Spieler aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen um Ranglistenpunkte spielten.

Trotz des emsigen Engagements von Hußmann steckt die gesellige Sportart hierzulande natürlich noch immer in den Kinderschuhen. "Vielleicht ein Jahr Tradition im Vergleich zu 100 in Nordamerika", sagt der Initiator und preist sofort die Vorzüge seines Hobbys: "Die körperlichen Vorausssetzungen sind ziemlich egal, das taktische Verständnis entscheidet."

Er kenne Spieler, die hätten eine Herz-OP oder einen Bandscheibenvorfall hinter sich und seien aktiv dabei. Bei der WM im Vorjahr sei eine Japanerin bereits 92 Jahre alt, ein anderer Konkurrent fast blind gewesen: "Der hat halt ein Fernglas benutzt."

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist der Faktor Familie: "Mein Sohn spielt, mein Vater und meine Gattin auch", zählt Hußmann auf und erhält Unterstützung von Sebastian Runge: "Das ist in der Tat die erste Freizeit-Beschäftigung, die ich gerne zusammen mit meiner Frau mache."

Doch ihm fällt sofort noch ein weiterer Vorzug ein: "Wann hat man schon mal die Chance, binnen kürzester Zeit bei einer WM teilzunehmen?", denkt er nur zu gerne an den Tripp im Vorjahr mit Hußmann in die USA zurück, wo man vor Kanada sensationell Dritter wurde.

Shuffleboard ist bei fachmännischer Anleitung zudem schnell erklärt. Das kann Cornelia Boddenberg nur bestätigen, die vergangene Woche noch nichts mit dem Spiel am Hut hatte und beim Turnier in Osterath plötzlich einen Cue in der Hand hält und die Discs über die 16 Meter lange Bahn "schubst". "Das ist hier eine lustige Truppe, man versteht schnell, worauf es bei dem Spiel ankommt, und auch Erfolgserlebnisse stellen sich bereits nach kurzer Zeit ein", berichtet die Osteratherin von ihrem ersten Tag auf dem Shuffle-Spielfeld.

Shuffleboarder bilden darüber hinaus eine globale Gemeinschaft. "Meine Frau hat mittlerweile Brieffreundinnen in Japan, Brasilien und Kanada", schwärmt Hußmann, der vor allem auf seine Osterather Clique stolz ist: Gleich sechs für die diesjährige WM in Kanada nominierten Spieler aus Deutschland kommen aus Meerbusch.