Suchtberater mixen die Cocktails
Aktion im Stellwerk wurde kaum wahrgenommen. Wirt Jaeschke will Bewusstsein seiner Kunden schärfen.
<strong>Osterath. Eine gute Idee findet nicht immer auf Anhieb begeisterten Anklang - diese Erfahrung musste Familie Jaeschke machen, die das Stellwerk in Osterath als Gaststätte betreibt. Zur bundesweiten Aktionswoche "Alkohol - Verantwortung setzt die Grenzen", verbannte sie Samstagabend, 21 Uhr, die harten Alkoholika hinter der Theke aus den Regalen. Stattdessen wurden fruchtig-frische Cocktails gemischt, die man schon für ein bis zwei Euro genießen konnte.
Alkoholfrei kommt bei den Kunden kaum an
Geschäftsführer Benjamin Jaeschke hat sich dazu tatkräftige Unterstützung von Bärbel Rosengart vom Ons-Zentrum für Alkoholkranke in Neuss und Michael Weege von der Fachambulanz der Caritas geholt. Einige Cocktails dürfen die beiden mischen, doch im Großen und Ganzen bleibt das Angebot der alkoholfreien Getränke vor allem unter den jungen Gästen ungehört.
Das Publikum, größtenteils bestehend aus durchschnittlich etwa 25 Jahre alten Mitgliedern eines Fußballvereins, hält sich stattdessen an Bier und Schnaps fest. Selbst ein Überzeugungsversuch aus den eigenen Reihen bleibt ohne Wirkung: "Ich habe meinen Kumpels angeboten, als nächste Runde alkoholfreie Cocktails zu bestellen, aber ich wurde gar nicht ernst genommen", bedauert Mike.
Auch die Informationsbroschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bleiben meist unangetastet auf den Tischen liegen. Bärbel Rosengart weiß, warum: "Die meisten Menschen glauben, sie seien nicht gefährdet. Außerdem erfordert die Änderung von Gewohnheiten wie das Alkoholtrinken die Reflexion auf das eigene Verhalten, und die stellt sich nicht von allein ein."
Benjamin Jaeschke findet es dennoch wichtig, das Thema Alkohol und Sucht anzusprechen: "Besonders wir als Kneipiers müssen bei einer Aktion wie der Suchtwoche einsteigen, weil wir an der Quelle sitzen." Die Verantwortung für die Gäste ist ihm ein wichtiges Anliegen: "Wer schon abgefüllt und stockbesoffen ist, bekommt hier nichts mehr. Und auch der Jugendschutz wird von uns sehr ernst genommen."
Bei großen Veranstaltungen werden die Ausweise der Gäste unter 18 Jahren am Eingang einbehalten. Wer sich als Minderjähriger nach 24 Uhr noch im Stellwerk aufhält, wird notfalls von den Sicherheitskräften herausgeholt.
"Alkohol - Verantwortung setzt die Grenze" heißt die Aktionswoche, die heute endet.
Veranstalter war die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).
Im Rhein-Kreis beteiligten sich Selbsthilfegruppen, Vereine, Gesundheitsamt oder auch die Alkoholkranken-Einrichtung Ons Zentrum.
In Meerbusch versuchte das Stellwerk, mit einer alkoholfreien Samstag-Nacht ein Zeichen zu setzen.