Neuss: Jahnstadion - Streit um Sport und Wohnen

CDU und FDP setzen Prüfauftrag durch. Anwohner demonstrieren.

Neuss. Seit Wochen tobt die Auseinandersetzung um das Jahnstadion, am Freitag beschäftigte sich erstmals die Kommunalpolitik mit dem Thema: Eingestimmt durch eine lautstarke Demonstration der Anwohner vor dem Rathaus, diskutierten die Stadtverordneten die - bereits abgespeckten - Vorschläge der CDU zu einer Bebauung des Areals.

Die Idee, die Stadion-Innenfläche zu bebauen und auf den Ascheplätzen ein hochwertiges Sportzentrum für die TG Neuss zu errichten, war auf der CDU-Klausurtagung im Januar geboren worden. Dann hatten die Pläne eine ganz eigene Dynamik gewonnen - allerdings anders, als es der CDU lieb sein konnte. Wütende Anwohnerproteste und Gegenwind von den anderen Fraktionen führten zum Vorschlag, ein Werkstattverfahren einzuführen. Und aus der zunächst von der CDU geforderten "Umsetzung" ihrer Pläne wurde im neuen Antrag eine "Prüfung".

Böse Angriffe und reichlich Häme erntete die CDU dann auch in der emotionsgeladenen Ratsdebatte. Dazu wählten die Stadtverordneten angesichts der gut besetzten Zuschauerränge denn auch das Stehpult als Podium. Zwar mahnten diverse Redner Sachlichkeit an, doch genau das musste Wunschdenken bleiben. Zu Beginn verwies CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz Sahnen in einer langen Rede auf die auch gesundheitspolitische Bedeutung des Sports. Denn eigentlich, so versuchte er wie auch Ingrid Schäfer zu betonen, gehe es um eine Optimierung des Sports in Neuss. Die öffentliche Diskussion aber habe eine "sonderbare Entwicklung" genommen.

Sahnen betonte: Ein Eckpunkt bleibe für die CDU die Verlagerung der TG Neuss von der Schorlemer Straße in ein neues Zentrum an der Jahnstraße. Von der Bebauung des Stadions selbst sprach Sahnen nicht mehr, dafür viel von dem Werkstattverfahren, das die Bürgerinteressen berücksichtige.

Scharf reagierte der SPD-Fraktionschef Reiner Breuer. Ein undurchdachter Schnellschuss sei der CDU-Vorstoß, das Werkstattverfahren ein Alibi: Die CDU ("Sie wollen absahnen, Herr Sahnen") stehe nach wie vor für die hochwertige Bebauung im Stadion, weil sie damit das Zentrum für die TG Neuss finanziere wolle. "Jetzt sollen die Anwohner ein wenig angehört werden, und dann wird die CDU die Bebauung durchsetzen", so Breuer. Auch von den anderen Fraktionen kam heftige Kritik an einer Bebauung, wenn auch die Notwendigkeit einer grundsätzlicher Neukonzeption des Neusser Sports durchaus gesehen wurde.

Mit den Stimmen von CDU und FDP wurde schließlich ein erweiterter Prüfauftrag an die Verwaltung beschlossen. Bürgermeister Herbert Napp wird noch vor den Osterferien Gespräche mit den Anwohner in Hinblick auf das Werkstattverfahren aufnehmen.