Neuss/Zinsgeschäft: Es wird besser

Derivate: Kämmerer schließt Gewinne aus, Drohverluste nehmen aber ab.

Neuss. Heftige Kritik am Kämmerer, emotionsgeladene Diskussionen, der Rat der renommierten Kanzlei Baum, Reiter & Collegen, gegen die Deutsche Bank zu klagen: Das Thema Zinsderivate beschäftigt in Neuss seit langem die Kommunalpolitik. Jetzt gibt es überraschende Nachrichten: Die negative Entwicklung schwächt sich, wenn auch nicht kontinuierlich, ab. Und das bedeutet Millionen Euro weniger (drohender) Verlust.

Das Thema ist ebenso komplex wie kompliziert. Bund, Land und viele Kommunen nutzten riskante Zinsgeschäfte, um die hohe Zinsbelastung der öffentlichen Haushalte zu minimieren. Neuss tat das bekanntlich auch, doch das Geschäft mit der Deutschen Bank entwickelte sich wie in so vielen anderen Kommunen ganz anders als erhofft. Statt Gewinnen errechneten die Banker vor gut zwei Jahren einen millionenschweren Drohverlust.

Im Kern geht es bei den risikoreichen Geschäften darum, den Spread, die Spanne zwischen Krediten für zwei und zehn Jahre, vorherzusagen. Als die Stadt das Geschäft mit der Deutschen Bank einging, lag dieser Spread bei 0,58 Prozent. Ab der Marke von 0,82 hätte sich das Geschäft ausgezahlt. Doch der Spread sackte, nicht nur für Kämmerer Frank Gensler völlig überraschend, auf 0,03 Prozent. Das war der Tiefpunkt. Hätte die Stadt zu jenem Zeitpunkt der Vertrag mit der Deutschen Bank gelöst oder wäre er damals ausgelaufen, hätte das die Stadt 15Millionen Euro gekostet.

Doch nun gehen die Kurven für kurz- und langfristige Kredite wieder ein wenig auseinander, der Spread lag vor kurzem bei 0,42 Prozent. Der Drohverlust hat sich um etliche Millionen verringert, doch ist - Ausfluss der unübersichtlichen Lage auf den Finanzmärkte - die von Bürgermeister Napp genannte Zahl von 7Millionen bereits wieder im negativen Sinn überholt.

4 Millionen Euro hat die Stadt bereits auf das Derivat gezahlt, wird doch vierteljährlich (ab-)gerechnet. Einen positiven Wert, also einen über den 0,82er-Marke, erwartet Frank Gensler nicht. "Geld verdienen wir an diesem Geschäft nicht mehr", vermutet er. Doch die Chance steige, dass sich die Drohverluste bis Vertragsende im Jahr 2013 weiter reduzieren.