Rhein-Kreis Neuss: Hilfe für einen bedrohten Riesen
Arterhaltung: Rund ein Fünftel aller Schwarzpappeln in NRW wachsen im Zonser Grind. Mit jungen Stecklingen soll nun das Überleben der Baumart gesichert werden.
Rhein-Kreis Neuss. Von der vom Aussterben bedrohten Schwarzpappel gibt es in ganz Deutschland nur noch rund 3000 Exemplare. Der schnell wachsende Riese ist so selten geworden, dass er auf der Roten Liste bedrohter Pflanzenarten steht. Der Rhein-Kreis Neuss, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Dormagen und die Forstgenetik des Landesbetriebes Wald und Holz NRW haben jetzt ein Projekt zur Arterhaltung gestartet, um das Überleben der seltenen Baumart langfristig zu sichern.
Im Zonser Grind - seit 1976 Naturschutzgebiet - sind dabei 107 reine Schwarzpappeln von den Experten identifiziert worden. "Das ist rund ein Fünftel der Schwarzpappelbestände in ganz NRW", freut sich Elmar Schmidt von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.
"Die Samen der alten Bäume besitzen kaum noch Potenz zur Fortpflanzung", erläutert der Dormagener. Doch über die Stecklinge gelingt es quasi, die Pappeln zu klonen, neue lebensfähige Jungpflanzen heranzuziehen. Diese gedeihen zunächst in der Forstgenbank in Arnsberg, später in einem Mutterquartier in Nievenheim. Auf einem kreiseigenen, etwa ein Hektar großen Gelände am Norfbach wird bereits in zwei bis drei Wochen ein Musterbeet entstehen. Später soll in Rheinfeld eine Samenplantage angelegt werden, um die Vermehrungsfähigkeit und eine breitere genetische Basis zu sichern.
Die Schwarzpappel ist extrem selten geworden, weil die Fluss-auen trocken gelegt worden oder hinter Deichen verschwunden sind. Zu schaffen machen dem Baum zudem heimische Pappeln, die verstärkt gepflanzt werden und die Kreuzung mit solchen Sorten. "Die Hybridpappel ist keine heimische Baumart. Sie ist durch Kreuzung der heimischen Schwarzpappel mit einer amerikanischen Pappelart entstanden", erklärt Lydia Schulze vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. "Schwarzpappeln streben eher knorrig und krumm nach oben. Ganz anders, als die für die Holzindustrie interessanten geraden hohen Hybridpappeln."
Weil das Holz leicht ist, fertigen zum Beispiel die Holländer Holzschuhe und Obstkisten aus Pappelholz. Das Holz hat den Nachteil, dass es sehr weich ist. Dabei wussten die alten Maler gerade dies zu schätzen, erzählt Elmar Schmidt am Rande: "Immerhin ist eines der berühmtesten Gemälde der Welt auf Pappelholz gemalt - die Mona Lisa von Leonardo da Vinci."