Begrabt mein Herz in Wuppertal Ein neues Zuhause für die Pallas Athene

Wuppertal · Uwe Becker würde die Skulptur an Viktor Orbán verkaufen.

Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Foto: Joachim Schmitz

Als ich neulich vernahm, dass die umstrittene Skulptur „Pallas Athene“ von Arno Breker nur dann wieder auf dem Hof des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums aufgestellt wird, wenn ihr zur kritischen Begleitung ein erklärendes Kunstwerk beigestellt wird, kam mir spontan der Gedanke, einer dieser „Fuck-Nazis“-Aufkleber auf der Kriegsfigur angebracht, würde mir persönlich als kritische Kommentierung völlig genügen. Aber so einfach wollten es sich die Verantwortlichen hier in der Stadt nicht machen. Und das ist ja auch richtig so. Ich bin dagegen mehr so zynisch und populistisch unterwegs und überzeichne gerne.  Wenn ich allerdings bestimmen dürfte, was mit der Skulptur geschieht, dann würde ich sie dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán verkaufen. Und schon bald stünde die Pallas Athene ohne kritische Kommentierung, aber aus EU-Mitteln finanziert, in einem Budapester Vorgarten. Zuvor würde ich Viktor Orbán von der  leidenschaftlichen Begeisterung Hitlers für Brekers Werk berichten, sodass er bedenkenlos die von mir geforderten 100 Millionen Euro zahlt.
Ich könnte mir vorstellen, dass der Ministerpräsident mich fragt, warum ich die schmucke Skulptur der Göttin des Kampfes, des in Düsseldorf gestorbenen, aber in Elberfeld geborenen und auch weltweit bekannten Künstlers Arno Breker unbedingt verkaufen will, schließlich war in den Nachkriegsjahren kein geringerer als Salvador Dali voller Anerkennung für Brekers Porträtbüsten. Aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich hierfür keine guten Argumente vorbringen könnte. Ich würde ihm glaubhaft schildern, dass wir schon zu viele Skulpturen in der Innenstadt beherbergen, den Zuckerfritz, die Mina Knallenfalls und einige mehr, deren Aufzählung hier den Rahmen sprengen würden. Orbán müsste also kein schlechtes Gewissen haben, wenn er uns die Skulptur abkaufen würde. Natürlich würde ich dem ungarischen Hardliner auch erzählen, dass Hitler 1944 veranlasste, Breker in die Gottbegnadeten-Liste aufzunehmen, das würde dem Despoten bestimmt äußerst gut gefallen. Dass Arno Breker am Ende von Historikern, die es gut mit ihm meinten, nur als Mitläufer eingestuft wurde, würde ich verschweigen, da es Orbán eher irritieren könnte, und er dann anzweifelt, ob Breker ein überzeugter Nazi war.