Medienexpertin: Ki.Ka will kein Marktführer sein

Erfurt/München (dpa) - Der ARD/ZDF-Kinderkanal Ki.Ka ist nach Einschätzung der Medienwissenschaftlerin Maya Götz für die Vielfalt auf dem deutschen Kinderfernsehmarkt unerlässlich.

„Da sich die verschiedenen Sender Stück für Stück aus dem Markt herausziehen, werden die Kinderkanäle generell immer wichtiger“, sagte die Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayerischen Rundfunk in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Die kommerziellen Kindersender Super RTL und Nickelodeon sowie der öffentlich-rechtliche Ki.Ka sendeten inzwischen den größten Teil der wöchentlich 400 Stunden Kinderprogramm im deutschen Fernsehen. „Gerade weil Alternativen zunehmend fehlen, muss es eine Programmvielfalt geben, die von den kommerziellen Kinderkanälen aber nur sehr bedingt angeboten werden kann“, sagte Götz. Diese produzierten als Teil großer Sendersysteme ein globalisiertes Kinderfernsehen ohne regionale Bezüge und mit nur wenig Eigenproduktionen.

Wichtig sei, dass die Alltagswelten und die Realitäten von Kindern in Deutschland zentraler Teil des Programms seien. Das könne im Prinzip nur der Ki.Ka leisten. „Es ist in Ordnung, auch mal eine US-amerikanische High-School zu sehen, aber wir haben auch hier spannende Geschichten. Unsere Kinder leben nun mal nicht in Malibu Beach.“ Zugleich stellte die Expertin klar: „Es ist nicht das Ziel des Ki.Ka, Marktführer zu werden.“ Ziel sei vielmehr, ein Vollprogramm anzubieten, das für Kinder möglichst bereichernd sei.

Dennoch stehe der Ki.Ka generell vor dem Problem, eine sehr breite Zielgruppe bedienen zu müssen, die von drei bis 13 Jahren reiche. Dieser Spagat sei manchmal nur sehr schwer hinzubekommen. „Eigentlich bräuchten wir dringend zwei Kanäle, einen für die jüngeren und einen für die älteren Kinder.“ Zwar gebe es eine sehr schöne Vorschulstrecke am Vormittag. Allerdings seien da die meisten Kinder im Kindergarten. „Und es gibt eben auch Zeiten gerade am Nachmittag, die nicht für Vorschulkinder geeignet sind.“

Kinder mit Migrationshintergrund finden sich zudem nach Ansicht von Götz derzeit zu wenig im Ki.Ka-Programm wieder. Hier sei noch nachzuarbeiten. Außerdem müssten neben den Mittelschicht- und Oberschichtmilieus stärker die Schichten abgebildet werden, die nicht so gut betucht seien. „Es geht aber nicht darum, das als Problem darzustellen, sondern das als Realität abzubilden.“