In der Nähe der Skate-Anlage am Hoerenweg in Neersen entsteht ein neuer Treffpunkt für Jugendliche: eine Schutzhütte mit vier Mal vier Metern Grundfläche. Der Bauplatz unmittelbar am Bolzplatz ist bereits gepflastert, auf der Fläche wird die Stahlkonstruktion errichtet. Eine Seite soll offen bleiben, die drei anderen Seiten sollen gemeinsam mit Jugendlichen gestaltet werden. Neersen ist aber nur der Anfang: Geplant ist, dass auch in den anderen Stadtteilen Schutzhütten entstehen.
Im September 2024 hatte der Jugendhilfeausschuss einstimmig beschlossen, dass die Hütte in Neersen gebaut werden soll. Die Stadtverwaltung rechnete mit Kosten in Höhe von rund 17.300 Euro. Davon übernimmt der Kinderschutzbund Willich 3000 Euro, außerdem unterstützt die Organisation den Bau von drei weiteren Schutzhütten im Stadtgebiet mit einem Zuschuss in Höhe von jeweils 3000 Euro. Bürgermeister Christian Pakusch (CDU), die zuständige Beigeordnete Sarah Bünstorf, Streetworkerin Marion Tank und die Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Barbara Jäschke, trafen sich vor wenigen Tagen zum Projektstart auf dem Bauplatz. In knapp drei Wochen soll die Hütte fertig sein, kündigt die Stadtverwaltung an.
Die Hütten sollen Jugendlichen bei Regen und Wind ebenso Schutz bieten wie bei starker Sonneneinstrahlung und Hitze. Wie die Stadtverwaltung erläutert, sollen sie als Skelettbauten mit Modulen erstellt werden und aus feuerverzinktem Metall bestehen, das gilt auch für die Dächer.
Die Skelettbauweise ermöglicht es, dass die Jugendlichen Wände aus Holz anbringen, individuell gestalten und dazu eventuell noch eine Lounge, etwa aus Europaletten, herstellen. Warum die späteren Nutzer der Hütten in den Bau einbezogen werden, hatte die Verwaltung bereits im September in der Sitzungsvorlage erläutert: „Hier soll durch ein partizipatives Angebot begleitet durch Streetwork eine Bindung der Jugendlichen erwirkt werden, um Vandalismus vorzubeugen und eine höhere Identifikation mit dem Ort und der Schutzhütte zu schaffen.“
Ziel der Verwaltung ist, dass im Laufe der Jahre so in allen Stadtteilen attraktive Treffpunkte für junge Menschen entstehen, die sich ohnehin draußen treffen, oft von Einrichtungen wie Jugendzentren oder Vereinen nicht erreicht werden und bisher keine geeigneten Treffpunkte gefunden haben. Die Standorte der Schutzhütten in den anderen drei Stadtteilen sollen in Absprache mit den späteren Nutzern ausgesucht werden, auf städtischen Grundstücken und nicht zu nah an Bebauung liegen, trotzdem für Jugendliche gut zu erreichen sein. Zum Konzept gehört außerdem, dass die Hütten vom städtischen Team Streetwork, als Teil der „aufsuchenden Arbeit“, angesteuert werden.
Grundlage für den Bau der Hütte in Neersen war ein Antrag der Wählergemeinschaft „Für Willich“ aus dem Jahr 2018. Sie regte damals an, in allen Parkanlagen Schutzhütten für Jugendliche errichten zu lassen. Der Jugendhilfeausschuss beschloss daraufhin, dass die Standort-Wahl gemeinsam mit den Nutzern getroffen werden soll – und als erster Standort wurde der Bolzplatz an der Skate-Anlage ausgesucht.
Laut im September 2024 gefasstem Beschluss soll nach zwei Jahren ausgewertet werden, wie die Hütte angenommen wird und welches Konfliktpotenzial es gibt. Im September beauftragte der Ausschuss die Stadtverwaltung außerdem mehrheitlich (bei einer Gegenstimme der FDP) damit, nach weiteren Standorten in Willich, Willich-Wekeln, Anrath und Schiefbahn zu suchen und ihm Realisierungs- und Finanzierungspläne für die mittelfristige Finanzplanung vorzulegen. Dass konkret in Wekeln nach einem weiteren Standort für eine Schutzhütte gesucht werden soll, hatte die SPD beantragt. Die FDP wollte erst die Auswertung für den Standort Neersen abwarten und das Thema Schutzhütten in zwei Jahren wieder angehen.