Angriffslustiger Scharping bleibt BDR-Präsident

Gelsenkirchen (dpa) - Rudolf Scharping hat es wieder geschafft. Mit einer kämpferischen und emotionalen Rede zog der Politprofi die Delegierten des Bundes Deutscher Radfahrer in Gelsenkirchen auf seine Seite und sicherte sich eine dritte Amtszeit als BDR-Präsident.

Scharping entschied die Kampfabstimmung auf der Bundeshauptversammlung gegen seine forsche Vorgängerin Sylvia Schenk mit überraschend deutlicher Mehrheit (411:156) für sich.

Auch Scharpings Mannschaft schaffte die Wiederwahl bis 2017. So hatte Sydney-Olympiasieger Robert Bartko bei seiner Kandidatur für den Posten des Vizepräsidenten Leistungssport das Nachsehen gegen Amtsinhaber Günter Schabel, und Toni Kirsch aus dem Schenk-Lager unterlag Peter Streng bei der Wahl zum stellvertretenden Präsidenten.

„Ich nehme die Wahl an, bedanke mich und werde mich bemühen“, sagte Scharping, nachdem ihm die Delegierten das Vertrauen ausgesprochen hatten. „Wenn Gräben entstanden sind, müssen wir versuchen, das wieder in Ordnung zu bringen.“

Zuvor hatte sich der wahlkampferprobte und redegewandte Scharping angriffslustig gezeigt. „Ich habe nicht dem BDR von außen zugerufen, der Radsport sei völlig verrottet. Wer solche Formulierungen in die Welt setzt und nun beklagt, dass nur über Doping gesprochen werde, der muss mit der Mäßigung seiner Stimme beginnen“, rief der im weißen Hemd und schwarzen Anzug erschienene Scharping vom Podium seiner Herausforderin Schenk zu. Die Juristin registrierte die Ausführungen des früheren Verteidigungsministers in der hintersten Reihe des Saales Maritim, nachdem sie zuvor in einer zehnminütigen Rede ihr knappes Wahlprogramm vorgetragen hatte. Sie habe kandidiert, weil sie großen Frust verspürt habe.

Den Anti-Doping-Kampf hatte sich Schenk, die Vorstandsmitglied der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International ist, auf ihre Fahne geschrieben. „Ich fühle mich für die Sportart mitverantwortlich, gerade weil ich Kritik geübt habe“, sagte Schenk, die von 2001 bis 2004 den BDR angeführt, sich dabei aber offensichtlich nicht nur Freunde gemacht hatte. Sie sei geduldiger geworden und habe aus der Zeit gelernt, ergänzte Schenk: „Als ich mich am Freitag in den Zug gesetzt habe, herrschte bei mir pure Freude. Für mich ist es wie eine Art Heimkehr.“

Mit offenen Armen wurde sie dabei von vielen Delegierten aber nicht empfangen. Einige Vertreter der Landesverbände waren das Thema Doping offenbar leid. Viel lieber dürften sie die positiven Wirtschaftszahlen gehört haben, die Scharping vermeldete. Der frühere SPD-Vorsitzende skizzierte in seinen Ausführungen die Zeit der letzten acht Jahre. Ein spannendes Projekt sei es bei seinem Amtsantritt 2005 gewesen, ehe im Zuge der Dopingskandale „Jahre der Depression und des Existenzkampfes“ angebrochen seien. Der BDR habe zwischenzeitlich vor dem finanziellen Kollaps gestanden. Da sei er stolz, dass der Verband 2012 das wirtschaftlich beste Jahr seit mehr als zehn Jahren registriert habe. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 65 000 Euro.

Er erwarte nicht, dass „irgendeine Leistung bejubelt wird“, wohl aber Respekt, monierte Scharping, der sich auch selbstkritisch zeigte. Er sei kein Automat. Er mache Fehler und trete manchmal Leuten auf die Füße, man solle aber die gesamte Bilanz seines Wirkens bewerten. Das fruchtete offensichtlich. Die Probleme seien jedoch nicht ausgestanden. „Wer da nicht klar, deutlich und professionell wirtschaftliche Fragen behandeln kann, läuft in Schwierigkeiten“, sagte Scharping und signalisierte, dass er der Richtige für die Bewältigung dieser Herausforderungen sei.