Frankreich stabilisierte das Land damals mit einem militärischen Adhoc-Einsatz. Inzwischen ist daraus eine UN-Mission mit starker deutscher Beteiligung geworden, genauso groß wie der Afghanistan-Einsatz. Aber Mali ist nur einer von vielen wackeligen Staaten in einer riesigen Problemregion namens Sahel-Zone.
Es gibt manche positive Entwicklungen, aber es ist das ewige afrikanische Problem, dass Erfolge schnell wieder eingerissen werden: Durch Despoten, durch Korruption, durch Naturkatastrophen und Kriege.
Es war überfällig, dass sich die EU nun dieser Region sehr konzentriert widmet, über einen punktuellen Militäreinsatz hinaus. Am Freitag mit einer Sonderkonferenz, die zunächst das Ziel hatte, die Sicherheitsanstrengungen in den Sahel-Ländern langfristig mitzufinanzieren. Noch wichtiger ist eine Gesamtstrategie, die über das Militärische deutlich hinausgeht. Nach vielen Jahren der Ignoranz scheint die Notwendigkeit einer solchen konzentrierten und koordinierten Nordafrikapolitik nun in das Bewusstsein der europäischen Regierungen gedrungen zu sein.
Frankreich will in den kommenden fünf Jahren 1,2 Milliarden für Entwicklungsprojekte im Sahel ausgeben, Deutschland eine ähnliche Größenordnung. Es sind gut investierte Gelder.
Nordafrika und mit ihm der Sahel sind europäisches Nachbargebiet — und deshalb europäischer Verantwortungsbereich. Nicht nur zur Verhütung von Gefahren und zum Aufhalten von Flüchtlingsströmen, sondern auch als Chance. Afrika wächst gewaltig, auch seine Wirtschaft. Es entsteht eine Schicht gut ausgebildeter, neugieriger junger Leute. Doch der Kontinent steht auf der Kippe. Es kann für Europa ein Partner für den Handel und den kulturellen Austausch werden. Aber viele seiner Staaten können leicht auch in ein neues Afghanistan oder Syrien abrutschen.
Das zu verhindern, ist alle Anstrengungen wert.