Beratungsstelle feiert 40 Jahre in Viersen Ein großer Wunsch zum Geburtstag der Initiative

Viersen · Die Initiative gegen Arbeitslosigkeit feiert runden Geburtstag. Seit 40 Jahren finden Menschen, die in Probleme wegen ihrer Arbeit geraten sind, Rat und Hilfe bei der Beratungsstelle.

Berater Julian Kroll (l.) und Matthias Totten, erster Vorsitzer des Vereins, können in diesem Jahr auf das 40-jährige Bestehen der Initiative gegen Arbeitslosigkeit blicken. Foto: Bianca Treffer

Foto: Bianca Treffer

Allein im vergangenen Jahr waren es rund 1900 Menschen, die bei der Initiative gegen Arbeitslosigkeit der Region Kempen-Viersen aufliefen und gemeinsam mit den Beratern nach Lösungen suchten. Ob jemand Hilfe bei Antragstellungen, Erklärungen behördlicher Bescheide oder andere Beratung benötigt oder Fragen zu Leistungsansprüchen bestehen - egal, welches Problem vorliegt, es wird kostenfreie Hilfe auf Augenhöhe gegeben.

In der Beratungsstelle finden Menschen, die arbeitslos oder vom Verlust ihrer Arbeit bedroht sind ebenso Unterstützung wie arbeitende Menschen, deren Einkommen aber nicht ausreicht, um Miete, Nebenkosten und Leben zu finanzieren. „Eigentlich haben die Behörden laut Gesetz eine Beratungspflicht. Dieser wird aber oftmals aus Unkenntnis der Materie nicht nachgekommen. Also kommen die Menschen zu uns. Die Beratungsarbeit, die wir leisten ist schon sehr komplex, weil sie in die unterschiedlichsten Bereiche hineinragt. Das reicht von Wohngeld und Kinderzuschlägen bis hin zu Arbeitsrecht und Lastenausgleich bei Wohneigentum, wenn dessen Verlust droht“, sagt Julian Kroll. Der Sozialarbeiter ist einer von zwei Beratern.

Er spricht von vier bis sieben Kundenkontakten pro Tag, wozu weitere telefonische Anfragen und Mails kommen. Die Tendenz ist seit der Eröffnung des Angebotes am 2. April 1985 steigend. Vor 40 Jahren war es die Kirche in der Region Kempen-Viersen in Form des regionalen Pastoralrats, des Katholikenrats und des damaligen Regionaldekans, die die Initiative gegen Arbeitslosigkeit als gemeinnützigen Verein ins Leben rief. Los ging es seinerzeit mit einer Beratungsstelle in Viersen, der dann Zweigstellen in Breyell und St. Hubert folgten. Wobei sich in Viersen das Arbeitslosenzentrum Viersen mit der Beratungsstelle Arbeit befindet.

In den Anfangsjahren ging es in erster Linie nur um die Vermittlung in Arbeit und um die Sozialhilfe. Heute ist es viel komplexer geworden, weil es einen riesigen Part von Leistungen gibt und erst einmal geschaut werden muss, was wem in welcher Situation zusteht. „Bei unseren Kunden haben wir heute viel mehr Menschen, die sich in Arbeit befinden, aber aufgrund von niedrigen Gehältern und ständig steigenden Kosten für Miete, Neben- und Lebensunterhaltskosten sowie der einhergehenden Inflation nicht mehr zurechtkommen“, sagt Kroll.

Die komplette Finanzierung der insgesamt vier Mitarbeiter – Berater, Verwaltungsfachkraft und ein Minijobber – erfolgt zu 75 Prozent aus dem europäischen Sozialfond. Die restlichen 25 Prozent fließen vom Bistum Aachen ein. „Die Förderverträge müssen wir alle zwei bis drei Jahre neu stellen. Das liegt an den Förderphasen der Europäischen Union. Für uns und unsere Arbeit heißt dies regelmäßig, dass wir nicht wissen, ob es weitergeht“, sagt Matthias Totten, erster Vorsitzender des Vereins.

Wenn eine Förderphase ausläuft, war im April/Mai des Vorjahres eine Interessenbekundung seitens des Vereins zum Fortsetzen der Arbeit. Im August schließt sich eine Bewerbung mit einem entsprechenden Konzept samt der Darlegung der geleisteten Arbeit an. Dann dauert es. Eine Zeit, in der keiner weiß, ob es im kommenden Jahr weitergehen wird. „Wir haben Fristen, an die wir uns halten müssen. Das Ministerium hat Zeit. Es kommt teilweise vor, dass wir erst im Dezember eine mündliche Zusage erhalten, aber die Verträge erst später im Januar eingehen“, sagt Totten. Eine belastende Situation für den Verein, die Totten als „Zumutung“ beschreibt, denn schließlich sollten die Mitarbeiter frühzeitig wissen, ob es weitergeht. Zumal deren Gehälter auch finanziert werden müssen und Gelder erst fließen, wenn die Verträge in schriftlicher Form vorliegen.

So wünscht sich der Verein zum runden Geburtstag eine feste Förderung, die der geleisteten Arbeit Sicherheit geben würde. Gefeiert wird das 40-jährige Bestehen mit einer internen kleinen Feier am 12. April. Los geht es um 11 Uhr mit einem Wort-Gottesdienst in der Herz-Jesu Kirche in Dülken. In den Räumen der Tagespflege des Theresienheims schließt sich ein Umtrunk mit Zeit für Gespräche an.