„Ich stehe morgens um sechs auf, schreibe mir etwas auf, was mir in der Nacht eingefallen ist, um elf lese ich das dann noch mal und stelle fest: Das war der völlige Mist! Ich schreibe wirklich wie ein Verrückter“, sagte der 54-Jährige am Dienstag in Hamburg. Oft lese er die Texte seinen Kindern vor, die sich dann immer wieder die Haare rauften und fragten: „Was hast Du denn heute wieder genommen?“
Die erste Single-Auskopplung will er Anfang Februar veröffentlichen. Die Musik für die neuen Songs dagegen sei schon fertig. „Ein bisschen druckvoller als "12", gitarrenlastiger. Es gibt natürlich auch Klaviergeschichten, aber mehr Gitarren.“ Er freue sich schon auf die am 31. Mai nächsten Jahres beginnende Tour.
In einem seiner neuen Songs beschäftigt sich Grönemeyer damit, wie es sich anfühlen könnte, wenn man in Afghanistan als Soldat ist, dies aber in der Heimat keinen interessiert. „Und es geht auch um einen gewissen Gleichmut. Ich glaube, es gibt so eine neue deutsche Gelassenheit“, erklärte er. Die Briten etwa wunderten sich, dass die normalerweise „nervous germans“ in der Rezession „verwunderlich entspannt“ sind, meinte der in London und Berlin lebende Künstler. Dieses Gefühl versuche er einzufangen: „Dass wir plötzlich vielleicht etwas selbstbewusster werden - aber hoffentlich nicht arrogant.“
Auch als Schauspieler will Grönemeyer, der jüngst für den Kinofilm „The American“ mit George Clooney erstmals eine Filmmusik schrieb, in Zukunft wieder aktiv sein. „Anton Corbijn, der ihn gedreht hat, ist ein Freund von mir und plant einen Film, wo er gern mit mir auch als Schauspieler arbeiten würde“, berichtete er.
Das Projekt sei in Vorbereitung und komme entweder 2012 oder 2013. Es gehe um einen Krimi, der auch in Hamburg gedreht werden soll - mehr könne er nicht verraten. Dafür witzelte er auf der Pressekonferenz vor Journalisten und Fans erneut über sein Projekt für das Jahr 2045: sein letztes Konzert in der Kurmuschel von Helgoland zu geben. „Die Tour nächstes Jahr ist letztendlich nur Trainingsprogramm für dieses Konzert.“
Beim Blick auf Fußball-Stadien wie das des HSV, in denen der Bochumer auf seiner Tournee wieder tausenden Fans einheizen will, erinnerte der 54-Jährige an seinen einstigen Traum: Fußball-Profi zu werden. „Das war mir leider nicht vergönnt. Deswegen bin ich Sänger geworden, damit ich auch ins Stadion darf.“ Als Fußballer bei Viktoria Bochum sei er relativ gut gewesen, meinte Grönemeyer, erinnerte jedoch grinsend auch an eine große Schlappe: ein Spiel gegen die A-Jugend des VfL Bochum. „Wir verloren 22:0! Wir trugen den Ball immer zur Mitte und dann fragten die immer vorm Strafraum: Wohin wollt ihr ihn jetzt haben?“
Auf der Pressekonferenz immer wieder zu Weihnachten befragt, meinte der Sänger: „Ich werde ja auch älter und mein Gehirn wird auch ein bisschen dünner mit der Zeit, vielleicht fällt mir irgendwann nichts mehr ein. Dann mache ich ein Weihnachtsalbum - aber so weit bin ich noch nicht.“
Dafür verriet er, was vor Konzerten auf seinem Speiseplan steht: Reis und Hühnchen. Der Grund: Als Jüngster einer Familie, die nicht viel Geld hatte, habe nie er die Hühnerbeine bekommen, sondern sein Vater und sein Bruder. „Ich habe eine wahnsinnige Neurose über Hühnerbeine“, sagte er unter lautem Gelächter. „Hühnerbeine sind für mich quasi das Nonplusultra. Ich muss auch nix mehr trinken. Das Hühnerbein kickt mich so an...“