Die Versteigerung war mit einem Mindestgebot von 250 000 Dollar eröffnet worden. Am Telefon boten zwei Interessenten den Preis hoch. Der Käufer wollte zunächst anonym bleiben.
Auf der etwa 90 Kilogramm schweren, 61 Zentimeter hohen Marmortafel ist über 20 Zeilen samaritanische Schrift eingraviert, die dem Hebräischen und Aramäischen entstammt. Die Tafel wurde 1913 im damaligen Palästina bei Erdarbeiten für eine Bahnstrecke entdeckt.
Dem beim Auktionshaus für Antiquitäten zuständigen Direktor David Michaels zufolge schmückte die Tafel vermutlich den Eingang zu einer Synagoge, die von den Römern zwischen 400 und 600 nach Christus oder auf einem Kreuzzug im 11. Jahrhundert zerstört wurde.
Auf der quadratischen Tafel werden nach einer einleitenden Widmung neun der zehn aus der Bibel bekannten Gebote aufgelistet. An zehnter Stelle folgt die Weisung, auf dem Garizim einen Tempel zu errichten. Dieser Berg im heutigen Westjordanland bildete bereits zu Zeiten der Perser das religiöse Zentrum der Samaritaner, deren Religionsgemeinschaft heute noch etwa 800 Mitglieder zählt.
Da die israelische Altertumsbehörde (IAA) die Marmortafel zum nationalen Kulturgut erklärt hat, mussten potenzielle Käufer vor Abgabe eines Gebots zustimmen, diese öffentlich auszustellen. Der Rabbi Shaul Deutsch hatte sie 2005 für sein Living Torah Museum in New York gekauft und stellte sie nun zum Verkauf. Sein Museum zeigt Artefakte jüdischer Geschichte und jüdischen Lebens.