Deutsche Parlamentarier verdienen mehr als Manager

Sind Politiker unterbezahlt und wechseln deshalb oft in die Wirtschaft? Eine Studie widerspricht dieser These.

Berlin. Viele kluge Köpfe verwehren sich der Politik, weil es in den Chefetagen von Unternehmen mehr zu verdienen gibt. Dies war bisher das Standard-Argument von Parlamentariern, wenn Wähler ihnen vorwarfen, überbezahlt zu sein. Doch das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) stellt dieses Bild nun auf den Kopf. In einer Studie, die der „Welt am Sonntag“ vorliegt, kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass Volksvertreter weitaus besser bezahlt werden als Führungskräfte der freien Wirtschaft.

Die Forscher verglichen das Einkommen der 599 Bundestagsabgeordneten inklusive ihrer Nebeneinkünfte mit dem Verdienst von Selbstständigen mit Führungsverantwortung, Meistern oder Managern. Das Ergebnis: Ein Bundestagsabgeordneter verdiente im Jahr 2006 inklusive Nebeneinkommen im Schnitt 106 000 Euro — 30 000 Euro mehr als der Durchschnitt der Führungskräfte.

Die Autoren der Studie bilanzieren: „Diese Zahlen relativieren die Behauptung, Politiker könnten in der freien Wirtschaft mehr verdienen.“ Vor allem über ihre Nebentätigkeiten gelänge es den meisten Abgeordneten, ihre Gehälter in die Höhe zu treiben. Den Wissenschaftlern sei es bei ihrer Studie nicht darum gegangen, die Politikverdrossenheit zu schüren.

„Wir wollen, dass uns die klügsten Leute regieren, und wir sollten auch Verdienstanreize setzen“, sagt IZA-Mitarbeiter Andreas Peichl. Es sei aber darum gegangen, mit dem Mythos aufzuräumen, die Wirtschaft zahle besser.

Parlamentarier zweifeln die Studie an. „Wenn das stimmen würde, müsste es doch einen Run auf den Bundestag geben“, betont der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jörg van Essen. Red