Fortunas Dauerbrenner muss aussetzen Dieser Spieler fehlt gegen Münster zum ersten Mal in der Saison

Düsseldorf · Tim Oberdorf verpasst gegen Münster seine ersten Minuten in dieser Saison.

Er tritt immer so akkurat auf wie ein Vertreter von der Hamburg-Mannheimer. Tim Oberdorf spielt Fußball wie eine Excel-Datei. Korrekt. Übersichtlich. Präzise. Ihm ist das nicht alles in die Wiege gelegt worden. Wobei: Das sportliche Talent zwar schon, aber nicht die Karriere bis hin zum Profi. Aber er hat es sich erarbeitet. Schritt für Schritt. Mittlerweile ist er eine feste Säule im Spiel von Zweitligist Fortuna.

Doch am Samstag gegen Preußen Münster verpasst der 28-Jährige seine ersten Minuten in der Spielklasse. Bis dahin stand er in allen 28 möglichen Partien auf dem Rasen – macht in Summe eine Einsatzzeit von 2.520 Minuten. Auf diese Zahl kommt bei Fortuna sonst nur noch Torwart Florian Kastenmeier, der nach zwei Tagen Trainingspause im Heimspiel gegen Münster aber sehr sicher wieder zwischen den Pfosten stehen wird.

Oberdorf dagegen wird durch eine Gelbsperre ausgebremst. Sein ohnehin gebrauchter Tag bei der 1:3-Pleite gegen den 1. FC Kaiserslautern wurde noch durch die fünfte Verwarnung der Saison gekrönt. Cheftrainer Daniel Thioune bricht damit der Stabilisator in der Abwehr weg. Auch Matthias Zimmermann fehlt gesperrt. Myron van Brederode, Valgeir Lunddal und Shinta Appelkamp stehen unmittelbar vor einer Sperre – alle haben bisher vier Mal die Gelbe Karte gesehen.

Oberdorf war lange Lehrling, ist dann als Geselle mitgelaufen. Meister waren oft andere. Doch jetzt hat er sich auch diesen Status verdient. Oberdorf macht seine Arbeit, er dirigiert aber auch, er organisiert, er kommentiert, wenn es etwas zu sagen gibt. Er ist als Spieler und Mensch gereift und hat eine steile Entwicklung genommen, schließlich hat Oberdorf 2019 noch in der fünften Liga gespielt. Dann wechselte er schließlich von der TSG Sprockhövel aus der Oberliga Westfalen zur Zweitvertretung von Fortuna.

„Tim ist ein sehr cleverer Typ, der in der Mannschaft einen sehr hohen Stellenwert genießt“, sagte Sportvorstand Klaus Allofs einmal über den Innenverteidiger und ergänzte: „Er entwickelt sich immer weiter. Das imponiert mir. Er ist auf dem Platz zu einer festen Größe geworden.“

Diese Größe müssen nun andere Akteure auf dem Platz gegen Münster vertreten. Mit Blick auf die weiteren Dauerläufer im Kader weist die Statistik Isak Johannesson als Nummer drei im Kader mit 27 Einsätzen auf. Dahinter bricht es dann schon deutlich ein. Matthias Zimmermann und Jona Niemiec kommen auf 25 Einsätze, bei Niemiec sind es aber besonders viele als Joker, um noch etwas Zeit von der Uhr zu nehmen.

Im modernen Fußball hat irgendwann das Wort Polyvalenz Einzug gehalten. Oder wie man in Düsseldorf sagt: Oberdorf. Niemand verkörpert jedenfalls bei Fortuna mehr die Fähigkeit, unterschiedliche Rollen im Team einzunehmen. Er hat sich bereits auf vier unterschiedlichen Positionen verdingt: im defensiven Mittelfeld, auf der rechten und linken Abwehrseite und natürlich als Innenverteidiger.

Nun muss Oberdorf aussetzen, wird aber sehr sicher das Spiel seiner Mannschaft in der Arena verfolgen – und hat damit wenigstens etwas Tuchfühlung zum Rasen.

(gic pn)