Gilbert pokert und gewinnt Amstel Gold Race

Valkenburg (dpa) - Der belgische Radprofi Philippe Gilbert hat clever gepokert und seinen Vorjahressieg beim Amstel Gold Race wiederholt. Beim Schlussanstieg auf den Cauberg in Valkenburg wartete er lange, bis er den davonspurtenden Joaquim Rodriguez energisch angriff und an ihm vorbei zog.

Der Spanier hatte kurz zuvor in der spannenden Schlussphase den Luxemburger Andy Schleck passiert, der sich 11 Kilometer vor dem Ziel zu einem Solo aufgerafft hatte, das aber 600 Meter vor dem Ziel scheiterte. Am Schlussanstieg standen zehntausende Zuschauer Spalier und sahen Gilberts Sieg. Zweiter wurde Rodriguez, Dritter der Brite Simon Gerrans. Als bester Deutscher kam der Rostocker Paul Martens auf Rang zehn.

Das niederländische Team Rabobank als Gastgeber ging nach 258 Kilometern beim einzigen World-Tour-Rennen im Nachbarland erneut leer aus. Den letzten Sieg beim Amstel Gold Race hatte Rabobank 2001 gefeiert. Mit dem Gilbert-Sieg hat sich zum ersten Mal in diesem Klassiker-Frühjahr anders als bei Mailand-San Remo, der Flandern-Rundfahrt oder Paris-Roubaix ein Topfavorit durchgesetzt.

Auf dem Eyserbosweg, dem drittletzten von insgesamt 32 zum Teil giftigen Anstiegen, fiel die Vorentscheidung, als sich eine Spitzengruppe mit 20 Fahrern bildete, in der alle Favoriten fuhren. Dann fasste sich der Tour-de-France-Zweite Andy Schleck ein Herz, um seinem neuen Team endlich den ersten großen Saisonsieg zu bescheren.

Aber auf dem Schlussanstieg war der zierliche Luxemburger dann mit seiner Kraft am Ende. Er musste hilflos mit ansehen, wie alle Fahrer der Spitzengruppe an ihm vorbeizogen. Sein Bruder Frank hatte alle Hoffnungen sausenlassen, als er 20 Kilometer vor dem Ziel einen Defekt erlitt und das Rad wechseln musste.

Der Allgäuer Radprofi Dominik Nerz war 30 Kilometer vor dem Ziel in einen Sturz mit mehreren Fahrern verwickelt. Er blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden liegen und wurde sofort behandelt. Eine erste Diagnose lag unmittelbar nach dem Rennen noch nicht vor.