Handelskonflikt eskaliert China wehrt sich - Hohe Gegenzölle auf US-Produkte

Peking · US-Präsident Trump hat mit seinem beispiellosen Zollpaket China besonders stark ins Visier genommen. Nun holt Peking zum Gegenschlag aus, die Sorge vor einer Eskalation wächst.

China hat Gegenzölle auf US-Importe angekündigt.

Foto: Oliver Zhang/AP/dpa

China wehrt sich mit hohen Gegenzöllen in dem von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Handelskonflikt. Auf alle US-amerikanischen Waren werde nun ebenfalls ein zusätzlicher Zoll in Höhe von 34 Prozent erhoben, kündigte das Finanzministerium in Peking an.

Diese Gegenzölle sollen am 10. April in Kraft treten. Zudem hat Peking elf US-Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt, was es für diese de facto unmöglich macht, weiter Handel in China oder mit chinesischen Firmen zu betreiben. Mit den Gegenmaßnahmen Chinas wird der von Trump begonnene Konflikt zusätzlich angeheizt, die Sorgen um die Weltwirtschaft wachsen.

Trump hatte am Mittwoch ein beispielloses Zollpaket mit zusätzlichen Abgaben für Importe aus dem Rest der Welt bekanntgegeben. Einige der größeren Handelspartner sind davon stärker betroffen. Auf chinesische Einfuhren in die USA sollen 34 Prozent fällig werden, für Importe aus der EU 20 Prozent.

Trumps gewaltiges Zollpaket ist faktisch eine Kampfansage an Handelspartner in aller Welt. Bereits vor der Ankündigung hatten die USA Waren aus China mit 20 Prozent Zöllen belegt, worauf Peking mit eigenen Maßnahmen reagierte. Nun treffen die Volksrepublik weitere Aufschläge von 34 Prozent, was die Zollbelastung für Produkte aus Fernost auf mehr als 50 Prozent steigen lässt.

China ist nach den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und liefert als Exportweltmeister so viele Produkte rund um den Globus wie kein anderes Land. Auch Deutschland ist stark von Exporten abhängig und profitiert von offenen Märkten. Auch die EU-Kommission hat Gegenmaßnahmen vorbereitet.

Finanzmärkte und Ölpreise auf Talfahrt

Auf die Eskalation reagierten die Finanzmärkte weltweit mit weiteren Kursverlusten. Am deutschen Aktienmarkt setzte sich der Kursrutsch nach dem Zollschock fort. Der Leitindex Dax weitete seine bereits deutlichen Verluste spürbar aus und stand am Nachmittag gut 4 Prozent tiefer.

Der Dow Jones Industrial sackte im frühen Handel um weitere 2,5 Prozent ab. Am Vortag war der weltweit bekannteste Aktienindex um 4 Prozent gefallen. Es droht die verlustreichste Börsenwoche seit Oktober 2020.

Der von Tech-Aktien dominierte Nasdaq 100 fiel auf den tiefsten Stand seit August 2024. Die Angst vor einem weltweiten Konjunktureinbruch hat auch die Ölpreise erneut auf Talfahrt geschickt. Die Preise für Rohöl aus der Nordsee und US-Rohöl fielen auf den tiefsten Stand seit 2021.

„Aussichten sind extrem düster“

Die Antwort der Chinesen ist nach Darstellung des Außenhandelsverbandes BGA eindeutig eskalierend. Es gebe eine Woche Karenzzeit, bevor die Zölle greifen. „Der Glaube auf amerikanischer Seite, nun würden alle einknicken und nach Deals betteln, ist ein Irrglaube“, sagte Hauptgeschäftsführer Antonin Finkelnburg. „Wir stehen jetzt am Anfang eines weltweiten Handelskonfliktes, der eskaliert, der weitere Stufen nach sich ziehen wird und der die Weltwirtschaft in eine massive Krise stürzt.“

Ähnlich Volker Treier, DIHK-Außenwirtschaftschef: Chinas Ankündigung drehe die Eskalationsspirale weiter - und die exportorientierte deutsche Wirtschaft stecke mittendrin. Ein Konflikt zwischen den USA und China bremse den Welthandel und belaste Deutschland als Exportnation besonders. Eine sinkende internationale Nachfrage würde die deutsche Wirtschaft spürbar treffen.

Auch Rolf Langhammer vom Kiel Institut für Weltwirtschaft sprach vom Beginn einer globalen Eskalationsspirale, die unter Umständen zu einer weltweiten Rezession führen könne. Auch die EU werde relativ schnell antworten. „Trump belasten diese neuen Gegenzölle Chinas mehr als die Chinesen, weil seine Chance, das US-Handelsbilanzdefizit abzubauen durch eine Steigerung der US-Exporte nach China jetzt verbaut ist“, sagte Langhammer.

China exportiert deutlich mehr in die USA

Exporte sind eine wichtige Stütze für die Wirtschaft der Volksrepublik. Chinas Ausfuhren insgesamt hatten sich 2024 erholt und kurz vor der Vereidigung Donald Trumps als neuer US-Präsident einen Sprung gemacht. Der Handelsüberschuss stieg auf ein Rekordhoch von knapp einer Billion US-Dollar.

2024 haben die USA nach Regierungsangaben in Washington Waren aus China im Wert von fast 439 Milliarden US-Dollar (398 Mrd Euro) eingeführt - ein Plus von 2,8 Prozent zum Vorjahr. In umgekehrte Richtung beliefen sich die US-Warenexporte nach China auf 143,5 Milliarden Dollar, 2,9 Prozent weniger als 2023. Das Handelsdefizit der USA mit der Volksrepublik belief sich unterm Strich auf mehr als 295 Milliarden US-Dollar, was einem Plus um 5,8 Prozent entsprach. Dieses Defizit ist Trump seit Jahren ein Ärgernis.

Peking nennt US-Zölle „Schikane“

Die von China getroffenen Maßnahmen werden von Beobachtern als klares Zeichen gedeutet, dass man in der Auseinandersetzung mit den USA nicht klein beigeben werde. So rief die chinesische Regierung mit sofortiger Wirkung auch Ausfuhrkontrollen für Seltene Erden in die USA aus. Seltene Erden machen etwa Smartphones, LEDs, Elektromotoren und Windkraftanlagen leistungsfähiger. Diese Rohstoffe werden vor allem in China abgebaut. Zudem kündigte Peking eine Klage gegen die USA bei der Welthandelsorganisation (WTO) an.

Peking verurteilt die Zölle als „Schikanen“, die nicht im Einklang mit den internationalen Handelsregeln stünden und „Chinas legitime Rechte sowie Interessen ernsthaft untergraben“, heißt es in einer Stellungnahme der Zollkommission des chinesischen Staatsrats.

Chinas Marktaufsichtsbehörde kündigte zudem eine Untersuchung gegen den US-Konzern DuPont an. Der Chemie-Riese steht demnach unter Verdacht, gegen das chinesische Kartellrecht verstoßen zu haben. Bei der Untersuchung dürfte es sich um eine politisch motivierte Entscheidung handeln.

Trump brachte Zollnachlass ins Spiel

Trump hatte China einen Nachlass bei den Zöllen in Aussicht gestellt und verwies auf den Streit um die Kurzvideo-App Tiktok. Tiktok hätte nach einem US-Gesetz eigentlich bis zum 19. Januar von dem in China ansässigen Eigentümer Bytedance verkauft werden müssen - oder in den USA vom Netz gehen. Doch Trump räumte eine Gnadenfrist ein, die am 5. April abläuft.

„Wir haben eine Situation mit Tiktok, in der China wahrscheinlich sagen wird: Wir werden einem Deal zustimmen, aber werden Sie etwas in Bezug auf die Zölle tun?“, sagte Trump nun kürzlich.

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(dpa)