Mobilität Keine Sonne, keine Scooter? - Was mit den Rollern im Herbst passiert

Köln · War er das schon, der große E-Scooter-Boom? Die langen Sommertage sind vorbei, es drohen Kälte, Nässe und Glätte. Sie sind nicht die besten Freunde der rollenden Gefährte.

Foto: dpa/Jörg Carstensen

Kaum hat sich Deutschland an die E-Scooter auf den Straßen gewöhnt - da ist deren Hochsaison auch schon wieder vorbei. Wer dem Wetter trotzen und die Roller auch in der kalten, dunklen Jahreszeit zur Fortbewegung nutzen will, sollte einiges beachten.

Sind die Scooter nur reines Sommervergnügen?

An den lauen Tagen dieses Sommers sah man sie überall: Menschen auf E-Scootern, vor allem Jugendliche, nicht unbedingt unterwegs von A nach B, sondern einfach ein paar Runden drehend. Prinzipiell soll das auch in der kalten Jahreszeit möglich sein. „Das Geschäft geht regulär weiter“, sagt etwa Bodo Braunmühl von der Vermieter-Firma Tier. „Die Menschen müssen sich ja trotzdem fortbewegen. Und 20 Minuten in der Kälte auf einen Bus zu warten ist auch nicht schön.“ Erst wenn Eis und Schnee kommen, wollen die Anbieter ihren Betrieb einstellen.

Und wie funktioniert das dann?

Da man eine App auf dem eigenen Smartphone braucht, um einen E-Scooter auszuleihen, können die Anbieter diesen Service kurzfristig sperren. Sie können damit auch Zonen festlegen, in denen die Scooter nicht abgestellt werden dürfen - weil die Fahrt dort dann einfach nicht per App beendet werden kann. Köln plant etwa für den Karnevalsbeginn am 11. November, die Verbotszonen für Scooter auszuweiten. In Düsseldorf gibt es keine solchen Pläne. Auch in der Weihnachtsmarkt-Saison kann es Einschränkungen in einigen Städten geben.

Sind die Gefährte überhaupt winterfest?

Wenn man die Anbieter fragt, prinzipiell schon. Man arbeite allerdings an einer noch winterfesteren Variante, sagte Tier-Sprecher Braunmühl. Mehr könne man jedoch noch nicht verraten. Die Firma Voi antwortete, ihr neuestes Modell sei mit Allwetterreifen ausgestattet.

Laufen die Akkus überhaupt noch bei Kälte?

Heutige Lithium-Ionen-Akkus hätten mit Temperaturen bis zu minus 15 Grad keine größeren Probleme, sagt Lars Zemke vom Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge. „Da während der Fahrt der Akku Wärme entwickelt, ist Fahren immer die ideale Situation im Winter.“ Teilweise gehen die Anbieter trotzdem von kürzeren Laufzeiten der Akkus aus, wenn die Temperaturen länger um den Gefrierpunkt bleiben.

Werden genauso viele Scooter auf den Straßen sein wie im Sommer?

Alle Anbieter wollen ihren Betrieb das ganze Jahr über aufrecht erhalten, trotzdem dürften insgesamt etwas wenig Scooter auf den Straßen unterwegs sein. Lime und Voi wollen annähernd gleich viele Roller auf den deutschen Straßen bereitstellen, bei Circ und Tier wird die Flotte kleiner sein als im Sommer. Es brauche aber eine Mindestmenge an Scootern in den Städten, damit das mobile Konzept aufgeht, sagte der Tier-Sprecher. Wenn man als Nutzer kilometerweit bis zum nächsten Scooter laufen müsse, funktioniere das Geschäftsmodell nicht mehr.

Es gab doch schon im Sommer so viele Unfälle. Oder?

Das stimmt. Seit dem Start der E-Scooter Mitte Juni bis Ende August gab es in NRW 54 meldepflichtige Unfälle, 15 Menschen wurden dabei schwer verletzt, wie das Innenministerium im Oktober mitteilte. Ein Unfall ist meldepflichtig, wenn jemand in Folge dessen mindestens drei Tage arbeitsunfähig ist. Köln gilt in NRW als Unfallhauptstadt für die Scooter: Dort kam es bis Mitte Oktober zu 83 Unfällen mit 19 Schwerverletzten. „Bei starker Glätte sollten Vermieter ihre E-Scooter umgehend sperren, um Unfälle zu vermeiden“, forderte Frank Schneider vom TÜV-Verband.

Was kann man selbst tun?

Vorsichtig sein - und vor der Abfahrt prüfen, ob das Wetter Scooter-tauglich ist. „Speziell in Bereichen mit Kopfsteinpflaster ist mit einem erhöhten Risiko bei Reif oder Glätte zu rechnen“, sagt Zemke. Der TÜV-Verband warnt außerdem vor nassem Laub. Wenn es später hell und früher dunkel wird, ist es noch wichtiger, auf Sichtbarkeit zu achten. Die Polizei empfiehlt: „Helle Kleidung und am besten eine Warnweste“. Die Experten raten auch zum Helm tragen. Der TÜV-Verband schlägt vor, Vermieter sollten direkt beim Ausleihen Helme bereitstellen.

(dpa)