Vor dem Haus Alte Schulstraße 10 liegt eine größere Gruppe der Gedenksteine. In dem kleinen Gebäude, das dem jüdischen Viehhändler Albert Goldschmidt gehörte, lebten im November 1941 acht Menschen auf engem Raum zusammengepfercht. Als Anfang Dezember der Bescheid zum Abtransport in das Ghetto der lettländischen Hauptstadt Riga eintraf, beging Albert Goldschmidts Sohn Leo (44) Selbstmord. Er war bereits nach der Pogromnacht im November 1938 ins KZ Dachau deportiert worden und krank zurückgekommen: Lieber den Tod als noch einmal das KZ.
Am 10. Dezember 1941 wurden die Eheleute Rudolf (41) und Selma Bruch (38) mit ihrer siebenjährigen Tochter Ilse nach Riga deportiert. Dort starb Rudolf Bruch, der mit anderen beim Bau eines neuen Konzentrationslagers Zwangsarbeit leisten musste, im Januar 1942 an Hungertyphus. Als Ilse am 2. November 1943 von Riga nach Auschwitz gebracht wurde, weil das Kind zu den „unnützen Essern“ zählte, fuhr ihre Mutter Selma freiwillig mit. Sie ging mit ihrer Tochter in die Gaskammer, um sie im Tod nicht allein zu lassen.
Nur einer kam mit dem Leben davon: Selmas und Rudolfs Sohn Herbert Bruch. Seiner Familie war es 1939 gelungen, ihn in die Niederlande in vermeintliche Sicherheit zu bringen. Aber dann überfiel 1940 die deutsche Wehrmacht das Land. Unter dramatischen Umständen gelang es Herberts niederländischer Pflegefamilie, den siebenjährigen Jungen über den Kanal nach England zu retten.
Herbert Bruch hat später mit seiner Heimatstadt Kempen nichts mehr zu tun haben wollen. Aber sein Sohn Richard, der in Washington lebt, fühlt sich am Niederrhein verwurzelt. Er möchte jetzt die Schatten der Vergangenheit überwinden helfen.