Christa Kamaric findet deutliche Worte. „Es geht hier nicht um Dumme-Jungen-Streiche, das ist lebensgefährlich. Wer das getan hat, war sich der Tragweite offenbar gar nicht bewusst“, sagt die Sprecherin der Bundespolizei in Kleve. Zu unglaublich ist der Fall, der sich jetzt auf der Strecke des Niersexpress in Goch ereignete. Am Mittwochabend gegen 18.30 Uhr hatten dort bislang noch unbekannte Täter Pflastersteine auf die Gleise unterhalb der Bahnüberführung Reuterstraße in Goch-Pfalzdorf gelegt. Die Steine waren über die gesamte Gleisbreite zu einer etwa 50 Zentimeter hohen „Mauer“ gestapelt worden.
Der Lokführer des aus Düsseldorf nach Kleve fahrenden Zuges leitete bei einer Geschwindigkeit von etwa 100 Stundenkilometer eine Schnellbremsung ein, konnte einen Zusammenstoß mit den Steinen jedoch nicht verhindern. Glücklicherweise blieben die etwa 60 Reisenden im Zug unverletzt. „Der Zug hätte entgleisen können“, sagt die Polizeisprecherin. Nach drei Stunden konnte der beschädigte Zug nach Kleve weiterfahren. Wie hoch der Schaden am Zug ist, sei aktuell noch nicht zu sagen.
Wegen des Vorfalls war der Bahnverkehr auf der Strecke an dem Abend massiv gestört. Zwei Züge fielen komplett aus, insgesamt entstanden 811 Minuten Verspätung. Es gab einen Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Kleve und Krefeld. Die Bundespolizei hat Ermittlungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr aufgenommen.
Zudem wird geprüft, ob es einen Zusammenhang mit einem Fall von Vandalismus vom Dienstag gibt. Da hatten Unbekannte ein Kabel in Weeze auf die Gleise gelegt. Die Bundespolizei will jetzt verstärkt mit Streifen an der Strecke unterwegs sein. Für die Fälle in Goch und Weeze werden Zeugen gesucht. Sie sollten sich unter 02821/74510 bei der Bundespolizeiinspektion Kleve melden. Eine erneute Streckensperrung am Donnerstagmorgen ab kurz vor fünf Uhr hatte übrigens nichts mit Vandalismus zu tun. Ein Stellwerk in Kevelaer war anscheinend defekt.