Sport in Meerbusch Billardfreunde suchen Mitglieder

Osterath · Bereits seit 1953 existieren die „Billardfreunde Osterath“. Inzwischen nimmt nur noch eine Mannschaft am Ligabetrieb teil. Ihr Zuhause ist die Gaststätte „Zum Wolfgang“.

Hubert Steiger (l.) und Gerd Schmitz sind bei den Billardfreunden Osterath aktiv.

Foto: Christoph Baumeister

Gerd Schmitz beugt sich über den Billardtisch, visiert die weiße Kugel an und stößt mit seinem Queue kräftig zu. Der Ball touchiert den roten und über zwei Banden auch den gelben Ball. „Das war ein erfolgreicher Versuch“, sagt der erste Vorsitzender der „Billardfreunde Osterath“. Jetzt darf sich Neuling Thomas Mertens versuchen. Der 59-Jährige greift zur blauen Kreide und trägt sie auf die Spitze seines Queues auf. „Das Einkreiden ist nötig, um einen sauberen Ballkontakt zu ermöglichen“, erklärt Schmitz. Mertens zielt auf den gelben Ball und stößt zu. Die rote Kugel trifft er, die gelbe verfehlt er im Anschluss jedoch um wenige Zentimeter. „Für das erste Mal stellt er sich trotzdem gut an. Das Gefühl für den Sport bringt er mit“, lobt Schmitz.

Der erste Vorsitzende würde es sehr begrüßen, ein neues Mitglied aufzunehmen, denn die Billardfreunde sind einer der kleinsten Vereine im Stadtgebiet. Lediglich zehn Aktive zählen sie aktuell noch. Der Jüngste ist Mitte 40, die Ältesten über 80 Jahre alt. „Wir suchen dringend nach neuen, vor allem jüngeren Leuten, doch das ist leider nicht so einfach“, so Schmitz. Dabei hat der Verein eine große Tradition. Er wurde 1953 in dem Lokal gegründet, das bis heute sein Zuhause ist: die Gaststätte „Zum Wolfgang“ auf der Strümper Straße 21 in Osterath. Dort werden auch die Meisterschaftsspiele ausgetragen. Mittlerweile ist der Verein nur noch mit einer Mannschaft vertreten, die in der Bezirksklasse der BIGKKD (Billard-Interessen-Gemeinschaft Kreis Krefeld-Düsseldorf) gegen vier andere Teams aus der Region um Punkte kämpft. „Als ich Mitte der 90er-Jahre Vorsitzender geworden bin, hatten wir sieben Mannschaften. Doch seitdem gehen die Mitgliederzahlen immer weiter zurück“, sagt Schmitz.

Das liegt vielleicht auch daran, dass in Osterath ausschließlich Karambolage angeboten wird. Anders als beim Pool-Billard oder Snooker wird diese Variante des Sports auf einem 1,10 Meter breiten und 2,20 Meter langen Tisch ohne Taschen oder Löcher gespielt. Jeder Akteur agiert die gesamte Partie über mit demselben Ball. Diesen versucht er so zu platzieren, dass er die beiden anderen Kugeln trifft. Gelingt dies nicht, ist der Gegner an der Reihe. „Nach 20 dieser so genannten Aufnahmen werden die erreichten Punkte gezählt und der Sieger ermittelt“, erklärt Hubert Steiger, der mit 80 Jahren zu einem der langjährigsten Mitglieder gehört.

Kinder und Jugendliche seien für diese Variante des Sports schwieriger zu begeistern. „Beim Poolbillard haben sie das klare Ziel vor Augen, die Löcher zu treffen. Beim Karambolage sehen sie dieses Ziel jedoch nicht.“ Doch exakt das mache für ihn den Reiz aus: Nicht nur die Bälle so zu treffen, wie er es vorhat, sondern gleichzeitig auch den nächsten Stoß vorzubereiten. „Es ist ein Präzisionssport, der große Konzentration und eine feine Ausführung erfordert“, sagt Steiger.

Ein weiteres Problem, warum der Verein kaum neue Mitglieder akquirieren kann, ist das Nicht-Vorhandensein eines eigenen Vereinsheims. „Wir fühlen uns in unserem Lokal pudelwohl und sind fast täglich hier anzutreffen. Allerdings ist durch die fixen Öffnungszeiten der Gaststätte das Training erst ab dem frühen Abend möglich“, sagt Schmitz. Auf Grund der erhöhten Altersstruktur der Mitglieder sei der sportliche Ehrgeiz bei den meisten mittlerweile nicht mehr so groß, sie widmen sich daher vermehrt dem Part, der in der Satzung gleichberechtigt zum Sport verankert ist: der Geselligkeit. „Wir spielen häufig Karten, würfeln oder trinken gemeinsam ein Bier und quatschen – das ist uns genauso wichtig“, berichtet Steiger.

Thomas Mertens hat die „Schnupperstunde“ gut gefallen. Ob er ein zukünftiges Mitglied wird, ist noch offen. „Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Man muss aber sicher viel üben, um den Sport richtig zu beherrschen“, sagt er. Der Vorsitzende pflichtet ihm bei: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Aber je häufiger man spielt, desto größer ist der Reiz, sich zu verbessern.“