Der weltberühmte Oberinspektor: Horst Tappert ist tot

Horst Tappert war Derrick – und wurde in über 100 Ländern zur Legende. Im Alter von 85 Jahren ist der gebürtige Wuppertaler am Wochenende verstorben.

München. Seine letzten Jahre verbrachte er sehr zurückgezogen. "Mag sein, dass ich mich seltsam anstelle, aber ich schätze die Ruhe mit meiner Frau", sagte Horst Tappert zu seinem 85. Geburtstag im Mai. Viele Fans hätten sich wohl auch den Lebensabend des eigenwilligen Fernseh-Inspektors Stephan Derrick in etwa so vorgestellt.

Mit dieser Figur war Tappert verwachsen wie kaum ein anderer Schauspieler mit seiner Rolle. Diese Authentizität bescherte ihm Fans auf der ganzen Welt. Sogar in China, wo er 500 Millionen Fernsehzuschauer vor die Bildschirme lockte, werden sie nun um den Verstorbenen trauern.

"Ich will noch einige Zeit da sein", hatte Tappert in seinem letzten Interview vor sieben Monaten gesagt. Da ging es ihm schon gesundheitlich schlecht. Öffentliche Auftritte mied der Schauspieler seit Jahren. Einzige Ausnahme wurde das Jahr 2004, als er seine Stimme für den zum Kultstreifen avancierten Derrick-Zeichentrickfilm "Die Pflicht ruft" gab. Bei der Vorstellung des Films räumte Tappert auch mit dem Mythos von dem Satz "Harry, hol schon mal den Wagen" auf: Diesen Satz hat Derrick kein einziges Mal gesagt.

Von 1974 bis 1998 hatte Tappert den Oberinspektor Derrick gespielt. Immer seriös und oft humorlos löste der Mann mit den schweren Tränensäcken in 281 Folgen Mord um Mord. Die Serie endete mit der einzigen Beförderung Derricks zu Europol.

Den Sohn eines Postbeamten aus Wuppertal-Elberfeld zog es zu Beginn nur mittelbar auf die Bretter, die ihm später die Welt bedeuteten. Aus der Kriegsgefangenschaft kommend bewarb sich der Kaufmann 1945 beim Theater in Stendal als Buchhalter - und wurde vom Intendanten zum Schauspieler gemacht. Der Durchbruch im Film-Genre kam für Tappert mit der Verfilmung des britischen Postzug-Raubes "Die Gentlemen bitten zu Kasse" von 1966.

Später folgten Rollen in den damals beliebten Edgar-Wallace-Krimis. Sein "Derrick" stellte dann ab Oktober 1974 alles andere in den Schatten. Die Serie um den aufrechten Moralisten, der mit stets sorgenvoller Miene und dem leicht überfordert wirkenden Assistenten Harry Klein im Schlepptau den Schauplatz des Verbrechens betritt, entwickelte sich zum Exportschlager: In mehr als 100 Ländern wurde "Derrick" ausgestrahlt.

Das Phänomen Derrick wurde zum Gegenstand von Studien: Die lineare Erzählstruktur und minutenlange Dialoge trugen nach Expertenansicht zum Erfolg der Serie bei, weil sie den Held zum berechenbaren Durchschnittsmenschen machten. "Derrick ist ein Fels in der neuen Unübersichtlichkeit, ein stiller Protest gegen Euro und Globalisierung", schrieb die "Neue Zürcher Zeitung".

Im wirklichen Leben hatte der seit 1957 mit Ursula Pistor verheiratete Tappert zuletzt vor allem eine Sorge: "Die größte Angst bereitet mir der Gedanke, dass meine Frau oder ich plötzlich allein zurückbleiben müssen. Das eine ist so furchtbar wie das andere."