Die Leiden des jungen Kabeljaus

Naturschützer geißeln die skrupellosen Methoden der Fischer.

Brüssel. Mitgefangen, mitgehangen: In Europa werfen viele Fischer einen beträchtlichen Teil ihres Fangs wieder ins Meer zurück - in einigen Fällen mehr als 60 Prozent. Für die Tiere ändert das nichts an ihrem Schicksal - sie sterben, weil sie im Netz zerquetscht wurden oder die schnelle Änderung des Drucks nicht aushalten.

Naturschützer sind zornig über die skrupellose Praxis - zumal viele Fische nur deshalb wieder über Bord geworfen werden, weil sie später in der Großmarkthalle nur einen mittelprächtigen Preis einbringen würden - und es lukrativer ist, die Netze öfter auszuwerfen, um vorgegebene Höchstfangmengen ausschließlich für teuren Fisch zu nutzen. "High grading" nennt die Kutterwirtschaft schönfärberisch diese Praxis. WWF und Greenpeace fordern vehement, dem verschwenderischen Umgang mit den natürlichen Vorkommen bald ein Ende zu setzen.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es. Denn wenn am Donnerstag die Fischerei- und Agrarminister zum Gefeilsche über Fangquoten und Ruhetage auf See zusammentreten, werden sie sich auch damit beschäftigen, wie es gelingen kann, dass von vornherein weniger ungewollte Beifänge an Bord landen.

Der Druck, etwas zu unternehmen, kommt aus Norwegen. Die EU ist auf gute Fischereibeziehungen mit Norwegen angewiesen. Und in Oslo steigt der Unmut über die Leichtfertigkeit, mit der die Staaten Rückwürfe dulden.

Drei Lösungsoptionen stehen zur Verfügung: Klappen und Fenster in den Netzen, unterschiedliche Maschen, andere Fangtechniken. "Wir brauchen Netze, die dem Kabeljau dort, wo er nur Beifang von Schellfisch oder Wittling ist, die Flucht ermöglichen", erklärt Karoline Schacht, Fischereiexpertin bei der Naturschutzlobby WWF.

Denn obwohl sich der Kabeljau vor drei Jahren ungewöhnlich stark vermehrt hat, machen sich Wissenschaftler Sorgen. Einerseits wegen der hohen Beifänge, andererseits der wegen der Tatsache, dass die für den Bestand wichtigen Jungtiere längst nicht überall geschont werden.