Erst mal eine dringende Fachfrage an die Tierärztin: Können Dackel wirklich einen Bandscheibenvorfall bekommen, wie Sie es in Ihrer Doktorarbeit untersucht haben?
Mariele Millowitsch: Oh ja, diese Rasse ist prädestiniert dafür. Das hat mit dem Stoffwechsel im Knorpel zu tun.
Aber Dackel müssen doch nicht schwer tragen und bücken sich auch nicht?
Millowitsch: Nein, die haben einfach Pech, dass sich die Bandscheiben anders verhalten als bei anderen Hunden. Das ist ein Züchtungsproblem.
In der neuen ZDF-Serie betreibt Ihr Mann eine Tierhandlung mit Reptilien. Darf man daraus schließen, dass Sie bei der Entwicklung der Figur und der Reihe mitgeredet haben?
Millowitsch: Nicht bei den Reptilien. Das war die Idee des Autors Alexander Adolph, aber ich war begeistert.
Marie hat früher bereits in der Mordkommission gearbeitet, ebenso wie ihr Vater, der dann bei einem Banküberfall erschossen wurde. Sie ist ein traumatisiertes Genie, aber natürlich kein Bösewicht. Haben Sie nicht Lust, mal auszubrechen aus dem Rollen-Fach "patente, sympathische Frau mitten aus dem Leben"?
Millowitsch: Ich habe mich mal vor ein paar Jahren gegen diese Schublade gewehrt, aber ich habe darin noch ganz viel Raum. Ich darf mich echt nicht beschweren. Und vielleicht kommt mal jemand, der für mich eine Figur schreibt, die richtig böse und kaputt ist. Hab ja noch ein bisschen Luft.
Wie wirkt sich das Älterwerden in Ihrer Karriere aus?
Millowitsch: Der Jugendwahn hat mich gar nicht tangiert, weil meine Karriere in einem Alter angefangen hat, in dem andere aufhören. Die "Girlfriends" habe ich mit 39 begonnen zu drehen. Ich hatte immer Glück, dass sich die richtigen Türen geöffnet haben und werde ganz sicher nicht auf Teufel komm raus eine viel jüngere Frau spielen. Es muss zu mir und meinem Alter passen.
2006 hat RTL "Die Familienanwältin" mit Ihnen in der Titelrolle vorzeitig abgesetzt. Ist nun Schluss mit Privatfernsehen?
Millowitsch: Es war schade um das Format, da war ich schon verärgert. Die Serie lief einfach beim falschen Sender. Die Privaten haben einen anderen Druck als die Öffentlich-Rechtlichen. Da sind die Messer schärfer. Ich glaube nicht, dass ich für Private noch einmal eine Serie drehen würde.
Sie hatten am Montag bei "Beckmann" eine Art Familientreffen. Sie sind immer noch das Nesthäkchen, oder? Dafür spricht schon der Name Mariele.
Millowitsch: Ja, der Name, dafür kann ich nichts.
Sie könnten sagen: Ich heiße Marie-Luise.
Millowitsch: Aber der ist schon mit Frau Marjan und anderen Kolleginnen belegt. Natürlich ist eine Verniedlichung in meinem Alter - und ich bin auch nicht gerade filigran - ein bisschen merkwürdig, aber ich ändere das nicht mehr.
Sie haben bei "Beckmann" die Frage offen gelassen, ob Sie nicht vielleicht doch Lust gehabt hätten, das Theater in Köln zu übernehmen?
Millowitsch: Damals ja, jetzt nicht mehr. Es war Vaters Erbhof-Mentalität, es ging nicht anders. Als Frau hatte ich keine Chancen, das Theater zu bekommen, und deswegen habe ich irgendwann das Weite gesucht und gefunden. Aber das ist okay, es ist kein Stachel geblieben.