Trump droht mit unabhängiger Kandidatur

Cleveland (dpa) - Donald Trump hat im US-Vorwahlkampf den Druck auf die Republikaner drastisch erhöht. In der ersten TV-Debatte schloss der Immobilien-Tycoon nicht aus, im November 2016 als unabhängiger Kandidat ins Rennen zu gehen.

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„Ich werde dieses Versprechen zu diesem Zeitpunkt nicht abgeben“, sagte er. Sein Gegenspieler Jeb Bush wirkte dagegen streckenweise eher blass.

Eine unabhängige Kandidatur bei den Präsidentenwahlen würde bedeuten, dass Trump jedem republikanischen Kandidaten die notwendigen Stimmen zum Sieg nehmen könnte - Hillary Clinton, die Favoritin der Demokraten im Vorwahlkampf, dürfte damit neuen Auftrieb erhalten. Senator Rand Paul griff Trump frontal an und hielt ihm vor, zum Steigbügelhalter der Ex-Außenministerin zu werden.

US-Kommentatoren waren sich überwiegend einig, dass Trump die Debatte beherrscht habe. Jeb Bush, der Ex-Gouverneur von Florida, stand erneut vor dem Problem, sich von der Präsidentschaft seine Vaters und seines Bruders abzusetzen. Er sagte, er sei stolz auf beide - räumte aber ein, dass der Irakkrieg 2003 ein Fehler gewesen sei. „Ich möchte gewinnen“, sagte Bush.

Einen guten Eindruck machten dagegen John Kasich, der Gouverneur von Ohio, und Floridas Senator Marco Rubio. Beide versuchten, sich als moderate Kandidaten zu profilieren, die bei den Wahlen die entscheidenden Wechselwähler binden könnten.

Insgesamt standen in Cleveland zehn der insgesamt 17 Bewerber auf der Bühne - Stunden zuvor gab es eine Debatte der sieben Republikaner mit schlechteren Umfrageergebnissen. Die Vorwahlen beginnen im Februar 2016, erst im Hochsommer nominieren die Parteien ihre Kandidaten.

Trump, dessen Bewerbung noch vor Wochen von Kommentatoren überwiegend belächelt wurde, sprach erneut von „dummen Politikern“. Er sagte, dass er als Geschäftsmann zahlreiche Politiker finanziell unterstützt habe. Kritik etwa an seinen negativen Äußerungen über Frauen oder an seinem eigenen Geschäftsgebaren wich er aus.

„Donald Trump stiehlt die Show“, meinte die „New York Times“. Die Rückeroberung der Macht nach acht Jahren der Präsidentschaft des Demokraten Barack Obama werde durch die internen Differenzen der Republikaner erschwert. Bei den Demokraten - die ihre erste Debatte im Oktober haben - ist dagegen ein echter Herausforderer Clintons nicht in Sicht.

„Trump trübt die erste Republikaner-Debatte“, meinte die „Washington Post“. Die Androhung einer unabhängigen Kandidatur sei „eine Handgranate“. Allerdings warnten Kommentaren davor, Trump schon als Favoriten anzusehen.

Echte Überraschungen oder neue Standpunkte gab es bei der Debatte allerdings nicht. Es kam lediglich zu kurzen direkten Wortgefechten. Die drei Gouverneure Kasich, Chris Christie (New Jersey) sowie Scott Walker (Wisconsin) verwiesen auf ihre vermeintlich guten Bilanzen zu Hause. Die Bewerber sprachen sich gegen den Atom-Deal mit dem Iran aus. Wie der texanische Senator Ted Cruz traten viele für einen entschlosseneren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an. Sie kritisierten Obama und Clinton wegen staatlicher Gängelung und Bevormundung. Obamas Gesundheitsreform solle gekippt werden.

Stunden zuvor stieg bereits die Debatte der sieben übrigen Kandidaten - zu einer Zeit, als die meisten Amerikaner noch arbeiteten. Daran nahm unter anderem der texanische Ex-Gouverneur Rick Perry teil, der bereits 2012 scheiterte. Er will die Grenze zu Mexiko 24 Stunden am Tag durch Flugzeuge überwachen lassen, um illegale Einwanderer abzuhalten.

Dagegen stach Carly Fiorina heraus. Die Ex-Chefin des High-Tech-Unternehmens Hewlett-Packard ist die einzige Frau unter den 17 republikanischen Bewerbern. Für die „Washington Post“ und den US-Sender CNN zählte sie zu den Gewinnern der Nacht.