Leverkusen. Mit wütenden Schritten stampfte Lars Bender nach dem Schlusspfiff in die Kabine. „Wer so viele Möglichkeiten liegen lässt, der darf sich nicht wundern, wenn er aus den Champions-League-Plätzen purzelt. Unsere Chancenverwertung ist heute teilweise kläglich gewesen. So hat man einen Sieg auch nicht verdient“, sagte der Kapitän von Bayer Leverkusen nach dem bitteren 0:1 (0:0) gegen den VfB Stuttgart. Der Traum von der Teilnahme an Europas Königsklasse droht zu platzen. „Jetzt sind wir auch auf andere angewiesen“, sagte Trainer Heiko Herrlich.
Ausgerechnet gegen den Lieblingsgegner wurde gepatzt. In zuvor 14 aufeinanderfolgenden Duellen mit dem VfB war die Werkself ohne Niederlage geblieben, aus den vergangenen acht Begegnungen konnte sie gar 22 der 24 möglichen Punkte holen. Angesichts der 24:4 Torschüsse wäre auch am Samstag ein Sieg nur folgerichtig gewesen — doch was Bailey, Bellarabi, Volland und Alario so alles an Einschuss-Gelegenheiten verballerten, ließ den Fans die Haare zu Berge stehen. „Wir hätten ganz klar gewinnen müssen“, meinte Julian Baumgartlinger.
Der Österreicher musste in der Abwehr von seiner Position im zentralen defensiven Mittelfeld in die Innenverteidigung rücken. Mit Tah, Sven Bender und Wendell fielen drei Viertel der etatmäßigen Abwehrkette verletzungsbedingt aus — die Niederlage aber war allein dem unfassbaren Chancenwucher geschuldet. Alario vergab sogar einen Strafstoß (17.). Bezeichnend die Szene, als Bailey im Strafraum statt des Tores mit Alario einen eigenen Mitspieler traf.
Was doch auf den Kasten kam, wurde Beute des starken Stuttgarter Torhüters Ron-Robert Zieler. Der 29-Jährige parierte erst den Elfmeter und entschärfte später Groß-Chancen von Bailey, Havertz sowie Bellarabi. Zudem leitete seine Tat gegen den frei vor ihm stehenden Bellarabi den Gegenzug ein, an dessen Ende in der 67. Minute Christian Gentner der goldene Treffer gelang. Das 0:1 war die vierte Heim-Niederlage der Werkself,
„Bis zum Strafraum habe ich ein sehr gutes Spiel meiner Mannschaft gesehen. Dort allerdings war es nicht das erste Mal, dass wir Schwierigkeiten hatten. Zwar arbeiten wir im Training am Abschluss, im Spiel jedoch fehlt es uns dann leider ein wenig an Qualität“, sagte Trainer Heiko Herrlich. Ein Manko, welches die Chance auf die Champions League schmälert.
So könnte Torhüter Bernd Leno in der nächsten Saison als einziger aus dem Kader in der Königsklasse spielen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der 26-Jährige von seiner Ausstiegsklausel in Höhe von 25 Millionen Euro Gebrauch machen wird. Heißester Kandidat dafür ist Atletico Madrid, das auf der Suche nach einem Nachfolger für den von Chelsea und Paris umworbenen Jan Oblak ist. Zwar verwies Rudi Völler am Samstag alles in den Bereich der Spekulation, diese aber wird durch Frankfurter Medien genährt. So soll sich Lukas Hradecky mit Leverkusen einig sein, zudem hat die Eintracht im Dänen Frederik Rönnow bereits eine neue Nummer eins verpflichtet.