Die TNS-Infratest-Demoskopin Rita Müller-Hilmer listete dem SPD-Vorstand folgende Gründe dafür auf:
- 74 Prozent der Wähler bewerten ihre wirtschaftliche Lage als sehr gut oder gut. Es gab vor der Wahl keine Wechselstimmung.
- Nur 22 Prozent trauten der SPD zu, die Wirtschaft in Deutschland voranzubringen, nur 20 Prozent glauben, dass die Partei die Euro- und Schuldenkrise in den Griff bekommen kann (Union: 46 Prozent).
- Kanzlerin Angela Merkel war weit beliebter als Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. 60 Prozent meinen, Merkel mache „nicht Parteipolitik, sondern Politik für das Land“.
- Glaubwürdigkeitsverlust im Bereich der Kernkompetenz soziale Gerechtigkeit: „Der Zwiespalt über die Agenda-Politik war nicht ausräumbar.“ Und: „Der Kanzlerkandidat konnte soziale Gerechtigkeit nicht ausreichend verkörpern.“
- Besonders brisant: Die kulturelle Kluft zwischen der SPD und ihrer einstigen Kernklientel, den einfachen Leuten, wachse.
- Die Union konnte von früheren Nichtwählern 1,13 Millionen Wähler für sich gewinnen, die SPD 360 000. Die SPD verlor 210 000 Wähler an CDU/CSU und immerhin 180 000 an die eurokritische AfD.
- Insgesamt habe die Union in den SPD-Feldern punkten und die gesellschaftliche Stimmung zu ihren Gunsten drehen können.
- Schwäche der SPD im Osten, wo sie nur ein Direktmandat gewann. „Die SPD liefert zu wenig personelle Identifikationsfläche im Osten.“