Fillon ist ein Überraschungsfavorit, noch vor wenigen Wochen hätte kaum jemand auf den 62-Jährigen gewettet. Seine Anhänger setzen auf Fillons Erfahrung, seinen Ruf als Saubermann und sein moderates, staatsmännisches Auftreten. Mit traditionell konservativen Werten punktet er vor allem bei der Kernklientel des eigenen Lagers.
Fillon zog bereits mit 27 Jahren als damals jüngster Abgeordneter in die Nationalversammlung ein und bekleidete seit 1993 fünfmal einen Ministerposten. Später wurde er enger Berater von Sarkozy während dessen Präsidentschaftswahlkampf und schließlich 2007 Regierungschef. Diesen Posten hielt er bis zum Ende von Sarkozys Amtszeit - trotz zahlreicher Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidenten. Im anschließenden Machtkampf mit seinem Rivalen Jean-François Copé um den Parteivorsitz zog Fillon aber den Kürzeren.
Der am 4. März 1954 im nordwestfranzösischen Mans geborene Fillon steht für klassische katholische Werte etwa in der Familienpolitik. Wirtschaftlich will er Frankreich einer Rosskur unterwerfen, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Motto: Öffentliche Ausgaben runter, Rentenalter rauf - die Zeitung „Le Monde“ spricht von einer „neoliberalen Revolution“, die belgische „Le Soir“ nennt ihn sogar den „Thatcher von der Sarthe“.