Angesichts der niedrigen Zinsen rieten einige Beobachter der Branche zuletzt Kunden, vorzeitig aus ihren Versicherungen auszusteigen, um die angehäuften Finanzreserven mitzunehmen. Die Versicherer müssen 50 Prozent dieser sogenannten Bewertungsreserven an ausscheidende Kunden auszahlen.
Kurzzeitig habe es erhöhten Beratungsbedarf bei den Kunden gegeben, stellte Faulhaber fest. Die Versicherung habe deshalb eine Hotline eingerichtet. „Die Zahl der Verträge, die dann gekündigt wurden, ist heute nur als kleine Delle im Bestand zu erkennen.“ Zugleich räumte der Manager ein, dass die Stornoquote ohne die Diskussion noch niedriger gewesen wäre.
Faulhaber forderte eine Gesetzesänderung. „Wie das Gesetz derzeit ausgestaltet ist, werden die vergleichsweise wenigen Kunden belohnt, die das Versichertenkollektiv in einer Niederzinsphase wie derzeit verlassen“, sagte der 60-Jährige. „Diese einseitige Verteilung der erwirtschafteten Erträge aus Bewertungsreserven halte ich für kritisch.“
Zugleich sprach sich der Allianz-Manager dafür aus, die staatliche Hilfe für die Altersvorsorge zu erhöhen. Der Förderrahmen bei der Riester-Rente sollte steigen, um angesichts der niedrigen Zinsen das Förderniveau von 2002 wieder zu erreichen. Zudem forderte Faulhaber eine Betriebsrente für alle, aus der die Kunden dann auf eigenen Wunsch aussteigen können. „Das würde es für viele Bürger vereinfachen, sich eine attraktive Betriebsrente aufzubauen.“
Die Diskussionen über die sinkende Rendite von Lebensversicherungen halten an. Die Finanzpolster der Assekuranzen schmelzen wegen der niedrigen Zinsen. Auf der Agenda des Finanzausschusses im Bundestag stand am Montag die Lage der Lebensversicherer.