Dann in der Not aber gleich mit aller bayerischen Macht und Urgewalt, wohl auch in der Angst vor der aktiven Trainersuche in Dortmund: Frankfurt blieb keine Minute, das unter Bobic und Kovac so fein konstruierte Adler-Nest zu ordnen — und muss jetzt damit leben, einen stilbildenden Trainer zu verlieren, der wie kaum ein anderer Trainer in der Bundesliga zuletzt das Gesicht seiner Mannschaft geprägt hat. Und es vielleicht sogar gleich selbst war.
Denn das muss man den Bayern bei allem Ärger über versaute Stilfragen auch lassen: Sie haben eine vermutlich gute Wahl getroffen. Kovac hat eine sagenhafte Entwicklung hinter sich, deren Merkmale vereint ganz gut zum FC Bayern passen könnten: Er hat einen Plan und geht allzeit einen geraden Weg, ist autoritär, aber dabei immer integrativ. Kovac weiß eine Mannschaft um sich zu versammeln. Und er, dessen bescheidene Trainer-Meriten (kein Titel!) negativ nur von dem ehemaligen Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann übertroffen worden sind, war selbst durchaus ein Star: Kovac hat als Spieler beim FC Bayern (2001 bis 2003) viel jener Siegermentalität aufgesogen, die der Bundesliga-Konkurrenz bisweilen in noch so erstaunlichem Ausmaß abgeht. Und: Kovac ist viel weniger akademisch unterwegs, als es etwa ein Tuchel gewesen wäre, dessen Mitarbeitergespräche mit Uli Hoeneß gewiss Inhalt für Unterhaltungssendungen gewesen wären.