Es wird kein Aprilscherz werden. Am 1. April feiert die Familie Fussangel in Breyell tatsächlich das 140-jährige Bestehen der Firma. Viele verbinden den Namen Fussangel mit dem Malergeschäft auf der Breyeller Josefstraße, seit einigen Jahren aber auch mit dem Feinkostgeschäft und dem Café an gleicher Stelle in der Breyeller Fußgängerzone. Im Rahmen der Feierlichkeiten am Dienstag, 1. April, lädt die Geschäftsführerin Sarah Bannert in der Zeit von 14 bis 19 Uhr dazu ein, das Geschäft an der Josefstraße 34 zu besuchen.
Die Firma Fussangel stellt sich heute flexibel auf - und das auf ungewöhnliche Art und Weise. Einerseits ist Herbert Fussangel weiterhin als Malermeister unterwegs, andererseits führt Tochter Sarah Bannert das Feinkostgeschäft und das Café und hat nun auch die Dienstleistung einer Hausverwaltung im Portfolio. Das war natürlich nicht immer so. „Es hat sich in den 140 Jahren halt in verschiedene Richtungen entwickelt“, fasst Sarah Bannert die Geschichte der Firma zusammen.
Gehen wir zurück ins Jahr 1885. Mathias Fussangel gründet am 1. April, damals am Markt 19, ein Anstreicher- und Farbengeschäft. Der Anfang war gemacht. Ältere Breyeller werden sich erinnern: Vor Jahrzehnten hatte in diesen Räumen das Textilgeschäft Klaßen sein Zuhause. 1894 zog Mathias Fussangel mit seinem Geschäft ins Hotel Kreuels um. 1907 wurde der Saal gebaut. „Es gab hier auch mal ein Kino, wir waren eben schon immer mehrgleisig unterwegs“, sagt Herbert Fussangel und lacht. Darum sei im Saal oben noch ein Loch in der Wand zu sehen, für den Projektor, erklärt er. Nach Mathias Tod übernahm Sohn Josef 1914 das Geschäft und zog 1925 zur Lobbericher Straße 9, 1933 schließlich zum heutigen Standort an der Josefstraße. 1961 übernahm Herbert Fussangel das Geschäft. 1983 und 1984 wurde eine große Werkstatt- und Lagerhalle angebaut, ein Jahr später das Hundertjährige gefeiert.
1985 machte Herbert, Sohn von Herbert, seine Gesellenprüfung, legte 1989 als Jahrgangsjüngster seine Meisterprüfung ab, übernahm 1992 das Geschäft von Vater Herbert. Heimtextilien, Baddesign und Geschenkartikel - das Angebot wurde der Zeit angepasst. Von 2002 bis 2019 hat man auch die Post übernommen. „Von 2006 bis 2017 hatten wir in Kaldenkirchen zusätzlich noch einen Designraum“, erklärt Sarah Bannert, „hier haben wir im gleichen Jahr auch die Feinkost angeboten.“ Seit Januar 2018 gibt es die Feinkost in Breyell, im Mai 2019 wurde das Café eröffnet, Anfang 2024 kam schließlich die Hausverwaltung hinzu. „Mein Vater hat immer gesagt, entweder du gehst mit der Zeit, oder du gehst mit der Zeit“, erinnert sich Herbert Fussangel. Ja, man habe oft umgebaut. Da muss er wieder lachen.
Das Malerhandwerk war die Konstante über all die Jahre, auch wenn Baumärkte aus dem Boden schossen und Möbelhäuser Dekoartikel verkauften. Aber das Ende dieses Geschäftszweiges naht, eine Nachfolge im Malerhandwerk sei nicht in Sicht. „Aber der Name wird weiter geführt“, versichert Sarah Bannert. Fussangel - das stehe schließlich für einen Familienbetrieb, inzwischen in der fünften Generation: „Der Maler ist immer noch da, jetzt gibt es auch Feinkost, Café und Hausverwaltung.“ Der Malerberuf habe ihn quer durch Europa bis nach Asien geführt, er habe im Gesundheitsbereich montiert und lackiert, arbeite noch heute für Großkunden in der Region, „und für Omma Schmitz haben wir auch das Wohnzimmer gestrichen.“ Maler werden und immer noch sein - das sei genau sein Ding, versichert Herbert Fußangel. 2016 hat Sarah Bannert die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau begonnen, zwei Jahre später abgeschlossen. Sie sagt: „Für mich ist das Feinkostgeschäft eigentlich keine Arbeit, der Kontakt mit den Kunden, die Beratungen, die Produkte, das alles macht mir sehr viel Spaß.“