Tierwelt und Forschung Grüner Zoo Wuppertal analysiert Genetik der Löwen

Wuppertal · Die Tiere werden Grundlage ihres Erbguts verpaart, um Vielfalt zu garantieren.

Löwin Alore im Zoo. Die natürlichen Lebensräume ihrer Artgenossen sind durch den Menschen bedroht.

Foto: Claudia Philipp

Der Löwe wurde von der globalen Umweltorganisation IUCN als gefährdet eingestuft. Sein Verbreitungsgebiet wird zunehmend durch menschliche Aktivitäten eingeschränkt. Genetische Studien haben gezeigt, dass Löwen zwei Unterarten angehören: dem nördlichen Löwen Panthera leo leo und dem südlichen Löwen Panthera leo melanochaita. Das Verbreitungsgebiet der nördlichen Löwen erstreckt sich über die nördlichen und westlichen Regionen Afrikas sowie Teile Indiens. Im Gegensatz dazu erstreckt sich das Verbreitungsgebiet des südlichen Löwen über die östlichen und südlichen Regionen Afrikas. Während beide Unterarten den afrikanischen Kontinent teilen, unterscheiden sich ihre Lebensräume: Der nördliche Löwe lebt meist in trockenen und bergigen Regionen, während der südliche Löwe die Savannen und Graslandschaften des südlichen und östlichen Afrikas bewohnt. Die Verbreitung beider Unterarten wird zunehmend durch menschliche Aktivitäten beeinflusst, was zu einer weiteren Fragmentierung ihrer natürlichen Lebensräume führt.

Die afrikanischen Löwen in menschlicher Obhut in Europa wurden kürzlich in nördliche und südliche Löwen unterteilt, die im Rahmen eines Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) gemanagt werden. Das EEP der nördlichen Löwen wurde von dem Grünen Zoo Wuppertal übernommen. Indische Löwen werden im Rahmen eines EEPs als asiatische Löwen betreut. In diesen drei EEPs werden die Tiere auf Grundlage genetischer Aspekte verpaart, um die genetische Vielfalt zu erhalten und Inzucht zu vermeiden. KoordinatorInnen analysieren die genetischen Profile einzelner Löwen, um die bestmöglichen Paarungen zu bestimmen. Zudem werden Transportempfehlungen gegeben, um den Austausch der Tiere zwischen verschiedenen Einrichtungen zu erleichtern. Ziel dieses Zuchtprogramms ist es nicht nur, gesunde, genetisch vielfältige Populationen in menschlicher Obhut zu erhalten, sondern auch eine mögliche Quelle für zukünftige Wiederansiedlungen in der Wildnis zu schaffen, um das langfristige Überleben beider Unterarten zu unterstützen.

Vor den genetischen Analysen basierte die Klassifizierung der Löwen hauptsächlich auf geografischer Lage und körperlichen Merkmalen, was sich als unzureichend erwies. Mit der Einführung genetischer Tests konnte jedoch eine wesentlich präzisere Klassifikation eingeführt werden. Durch die Analyse von Blutproben einzelner Löwen konnten Forscherinnen die genetische Zusammensetzung bestimmen und die Tiere entsprechend kategorisieren. Im Zuchtbuch des nördlichen Löwen wurden verschiedene Kategorien festgelegt: mindestens 90 Prozent, mindestens 75 Prozent, mindestens 67 Prozent und mindestens 51 Prozent Panthera leo leo-Gene. Bei der Vergabe von Zuchtempfehlungen wurde besonders auf Löwen mit höherem genetischem Anteil geachtet, insbesondere auf solche mit 90 Prozent und 75 Prozent Panthera leo leo-Anteil. Diese Tiere wurden priorisiert, um eine starke genetische Basis zu erhalten. Zuchtempfehlungen berücksichtigten jedoch auch Tiere, deren Nachkommen gemeinsam mindestens 75 Prozent Panthera leo leo repräsentieren würden. Ebenso wurden bestehende und funktionierende Gruppen sowie erfolgreiche Zuchtpaare in die Planung einbezogen. In den letzten Jahren wurden leider viele Weibchen zur Vermeidung von Inzucht mit Verhütungsmitteln behandelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Weibchen nach einer Verhütung wieder reproduziert, sinkt jedoch mit der Dauer der Behandlung, insbesondere wenn sie vor der Geschlechtsreife erfolgte oder das Weibchen noch nie Nachwuchs hatte. Dadurch besteht das Risiko, dass einige Zuchtempfehlungen erfolglos bleiben, was die Notwendigkeit unterstreicht, alle relevanten Faktoren zu berücksichtigen, um zumindest die Stabilität der Population zu sichern. In den kommenden Jahren werden weitere wertvolle Erkenntnisse für Panthera leo leo gewonnen, insbesondere hinsichtlich der langfristigen Folgen der Verhütung für die Population in menschlicher Obhut.

Nach diesen Überlegungen umfasst die EEP-Gruppe des nördlichen Löwen insgesamt 105 Tiere in 43 Einrichtungen. Zudem gibt es viele Tiere mit dem Status „gemischt“ sowie noch nicht getestete Tiere. Die Herausforderung des EEP besteht darin, alle Tiere zu managen, unabhängig von ihrem bekannten oder unbekannten Status. Aus diesem Grund wurde eine Analyse in Zusammenarbeit mit einem Populationsbiologen durchgeführt, um zu identifizieren, welche Tiere innerhalb der europäischen Zoopopulation noch unterrepräsentiert sind. Diese Individuen wurden dann für die Zucht priorisiert, um ihre genetischen Linien zu bewahren.

In den kommenden Jahren wird ein weiteres Forschungsprojekt starten, das sich auf die gesamte Panthera leo-Population in EAZA-Einrichtungen sowie auf genetische Proben von präparierten Löwen in Museen konzentrieren wird, um die Gene zu vergleichen. Dabei wird eine umfassende Sequenzierung des gesamten Genoms durchgeführt.

Genetisch vielfältige Zukunft
muss koordiniert werden

Durch die klare Bestimmung der genetischen Ursprünge und Unterarten in der Zoo-Population kann gezielter auf Individuen mit besonderer genetischer Bedeutung geachtet werden. Dadurch wird eine strategischere Auswahl von Tieren für erhaltungsorientierte Zuchtprogramme ermöglicht. Eine entscheidende Voraussetzung dafür ist eine enge Zusammenarbeit aller drei EEPs, um gemeinsam zu bestimmen, welche Unterarten verstärkt in den EEPs berücksichtigt werden sollten. Nur durch koordinierte Maßnahmen kann eine genetisch vielfältige und robuste Zukunft für alle beteiligten Unterarten sichergestellt werden.