Kölner Jungforscher schickt Spinnen ins Weltall

Der 19-jährige Ägypter Amr Mohamed gewinnt den globalen Weltraum-Wettbewerb im Kölner Astronautenzentrum.

Köln. Springspinnen in der Schwerelosigkeit: Was klingt wie der Titel eines Science Fiction-Romans ist ein Versuchsaufbau, der im Sommer 2012 auf der Internationalen Raumstation (ISS) getestet werden soll. „Ich wollte wissen, wie sich die Schwerelosigkeit auf das Fangverhalten der Springspinnen auswirkt“, sagt der 19-jährige Amr Mohamed.

Seine Idee hat beim globalen Weltraum-Wettbewerb, dem „YouTube Space Lab“, den ersten Platz gemacht. Eine Jury bestehend aus Weltraumforschern wie dem Astrophysiker Stephen Hawking und Astronauten aus aller Welt haben den Gewinner ausgewählt. Für die Preisverleihung im Europäischen Astronautenzentrum in Köln ist Mohamed aus seinem Heimatland Ägypten angereist.

Vor den 21 Finalistenteams aus aller Welt präsentiert er seine Idee. Als „größte wissenschaftliche Unterrichtsstunde“ hat die Esa die weltweite Live-Übertragung des Spinnenexperiments über die Videoplattform Youtube vorab angekündigt. Gestartet worden ist der Wettbewerb unter anderem von dieser Internetplattform und von der Nasa.

Mohamed ist gespannt, wie die Spinnen reagieren: „Es wird zeigen, wie gut ihr Gehirn entwickelt ist.“ Er hofft, dass die Spinnen nach mehreren Anläufen feststellen, dass sie nicht mehr gegen die Schwerkraft ankämpfen müssen. Die Idee für sein Experiment ist ihm bei der Recherche im Internet gekommen. „Ich habe ein Video von Spinnen gesehen, die ihre Netze in der Schwerelosigkeit spinnen.“

Warum nicht noch einen Schritt weitergehen, dachte er sich: „Ich wollte Spinnen ins Weltall schicken, die keine Netze knüpfen, sondern auf eine simplere Art jagen.“ Anpirschen, springen, fressen — er ist gespannt, wie die Tiere ihre Technik in der Schwerelosigkeit umsetzen.

Das Experiment der deutschen Finalisten hat es zwar nicht auf die ISS geschafft, sie dürfen ihren Versuchsaufbau aber immerhin in Köln vor dem Publikum präsentieren. „Ich würde schon gerne in der Astrophysik arbeiten“, sagt der 14-jährige Simon Kopf. Gemeinsam mit seiner Schwester Sara (16) hat er sich ein Experiment zur Wirkung von Magneten in der Schwerelosigkeit ausgedacht. Dafür bauten sie eine Konstruktion, in der zwei negativ gepolte Magneten eine Metallmünze in der Luft festhalten, ohne sie zu berühren.

Simon Knopf und Amr Mohamed sind beide von der Weltraumforschung fasziniert. „Antimaterie, der Urknall — das sind doch bislang nur Theorien“, sagt Kopf. Viele Phänomene seien noch ungeklärt und deshalb bleibe der Weltraum faszinierend, findet auch Mohamed. „Das Universum ist riesig, es wird immer etwas geben, das noch niemand zuvor gesehen hat.“ Mohamed möchte später unbedingt im Weltall forschen: „Es gibt Dinge, die man nur dort ausprobieren kann, die können nicht auf der Erde erforscht werden.“