„Die neue Koalition muss hier strenge Regeln gegen Stress im Job und zu Hause vereinbaren.“ Es sei „unzumutbar“, dass immer mehr Beschäftigte nach Feierabend und an Wochenenden E-Mails oder SMS von Vorgesetzten bekommen.
Dem Arbeitgeberverband BDA zufolge haben die Unternehmen ihre Hausaufgaben bereits gemacht: „Die deutschen Arbeitgeber gehen verantwortungsvoll mit Arbeitszeit und Freizeit ihrer Mitarbeiter um. Kein Arbeitnehmer ist verpflichtet, ständig erreichbar zu sein“, teilte der BDA mit. Der Verband warnte vor strengen Gesetzen zur Erreichbarkeit nach Feierabend: „Engagement und Leistungsbereitschaft sollten nicht zwangsweise eingeschränkt werden.“
Auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wies Wetzels Vorstoß zurück. „Es gibt längst auf betrieblicher Ebene unzählige Vereinbarungen dazu, und nur dort können sie auch sinnvoll getroffen werden“, sagte ein Sprecher der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag).
Laut einer bereits etwas zurückliegenden Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom ist es für 88 Prozent der Berufstätigen selbstverständlich, auch außerhalb der Arbeitszeit per Handy oder E-Mail ansprechbar zu sein. Knapp ein Drittel sei jederzeit für Kunden und Kollegen erreichbar. Bei etwa der Hälfte sei die Erreichbarkeit auf bestimmte Zeiten beschränkt, 15 Prozent reagierten nur in Ausnahmefällen auf Anfragen nach Feierabend.
Arbeitsmedizinern zufolge kann ständige Erreichbarkeit zu Stress und Überbelastung führen. Mögliche Symptome seien Schlafstörungen, aber auch körperliche Beschwerden wie Magen- oder Rückenschmerzen. In Extremfällen könne der berufliche Standby-Modus auch zu Burnout oder Depressionen führen.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert bereits seit längerem Sanktionen für Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten nicht ausreichend vor Stress schützen. Wie die IG Metall will der DGB eine sogenannte Anti-Stress-Verordnung durchsetzen. Damit sollen Arbeitgeber dazu verpflichtet werden, bestimmte Arbeitsbereiche auf psychische Belastungen zu überprüfen.