Studie: Campen macht morgens wacher

New York (dpa) - Wer morgens nur schwer aus dem Bett kommt und abends Mühe hat, einzuschlafen, dem könnte eines helfen: Camping. Das sagen zumindest US-Wissenschaftler von der University of Colorado in Boulder.

Mehr Sonnenlicht, weniger elektrisches Licht - mit diesem einfachen Rezept lassen sich Schlafstörungen und deren gesundheitliche Folgen mildern, wie US-Forscher berichten. Ihre Studie habe gezeigt, dass sich dies schon mit einer Woche Camping-Urlaub in der Natur erreichen lasse. Das Sonnenlicht passe die Innere Uhr des Menschen dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus an, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin „Current Biology“.

Kenneth Wright und sein Team von der University of Colorado in Boulder erfassten zunächst eine Woche den Schlaf-und Nachtrhythmus von acht Erwachsenen, während diese ihren normalen Beschäftigungen nachgingen: Sie arbeiteten, studierten, gingen abends aus und entschieden selbst, wann sie wie lange schliefen. Anschließend verbrachte die Gruppe eine Wochen beim Campen in den Rocky Mountains. Die Teilnehmer hatten dort kein elektrisches Licht und durften auch keine Mobiltelefone, Taschenlampen oder andere elektrische Geräte nutzen.

Im Schnitt gingen die Probanden in der ersten Woche des Experiments später zu Bett - nach Mitternacht - und standen später auf - gegen acht Uhr morgens. Wie nicht anders zu erwarten, bekamen sie in der ersten Versuchswoche weniger Sonnenlicht ab und dafür mehr Licht nach Sonnenuntergang als in der Natur üblich gewesen wäre. Überraschend war die Deutlichkeit der Folgen: In der elektrisch erleuchteten Umgebung ging die Innere Uhr der Probanden um zwei Stunden nach. Dies zeigte sich am Melatonin-Gehalt. Dieses Hormon ist an der Regulation des Tag-Nacht-Rhythmus beteiligt. Mit Beginn der Dunkelheit steigt der Melatonin-Gehalt und macht uns schläfrig, Licht bremst die Produktion des Hormons am Morgen und läutet das Aufwachen ein.

Während der ersten Versuchswoche stieg der Melatoningehalt am späten Abend, etwa zwei Stunden vor Schlafbeginn. Morgens sank der Gehalt erst beim Aufwachen gegen acht Uhr. Dies erkläre, warum viele Menschen sich in unserer modernen Welt morgens oft schlapp und müde fühlten, schreiben die Forscher: Die biologische Nacht - gekennzeichnet durch einen höheren Melatonin-Spiegel - reiche quasi in den Tag hinein.

Nach einer Woche Camping hatte sich die Uhr an den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus angepasst. Der Melatonin-Gehalt begann etwa bei Sonnenuntergang anzusteigen. Am Morgen fiel er gleich nach Sonnenaufgang, noch bevor die Probanden wach wurden. Selbst Nachteulen wurden unter natürlichen Lichtverhältnissen so zu frühen Vögeln. Die gesamte Schlafzeit blieb in beiden Wochen gleich. Die Anpassung an den natürlichen Rhythmus könnte jedoch zugleich zu gesünderem Schlaf führen, meinen die Forscher.

Da nicht alle Menschen immer Campen gehen können, raten sie etwas anderes: Möglichst viel Sonnenlicht am Tag, möglichst wenig elektrisches Licht am Abend. So könnten Menschen früher schlafen gehen und früher aufwachen, wodurch sich die Schlafzeiten auch besser mit den Schul- und Arbeitszeiten in Einklang bringen ließen.