Hannover ratlos - Mirko Slomka: „Es wird so eng“

Köln (dpa) - Trainer Mirko Slomka saß ratlos auf der Bank, elf Fußballprofis aus Niedersachsen schlichen mit hängenden Köpfen und völlig konsterniert nach dem 0:4 (0:1) vom Rasen des Kölner WM-Stadions.

Sechs Tage nach dem „Himmel“ beim 3:1 über Meister Bayern München erlebten die bisherigen Gipfelstürmer von Hannover 96 ihre Fußball-Hölle. Die Klatsche beim 1. FC Köln zum Auftakt des 26. Bundesliga-Spieltags bedeutete einen heftigen Rückschlag für die Ambitionen von Slomka und Co., sich direkt für die Champions League zu qualifizieren. „Es wird so eng“, meinte Slomka.

Das dritte 0:4 der Saison statt Platz zwei und Punkte-Vereinsrekord - der 96-Trainer war restlos bedient ob der schwachen Leistung seiner Elf. „30 Minuten, das reicht nicht. Ein Spiel dauert 90 Minuten.“ Es war eine treffliche Analyse des 43-Jährigen, weil die FC-Fans unter den 46 500 Zuschauern eine gute halbe Stunde lang heftig um ihre Mannschaft bangen mussten, später aber in ein Freudenbad der Gefühle tauchen durften. „In Minute 35 wäre man für verrückt erklärt worden, wenn man das 4:0 prognostiziert hätte“, hielt Kölns Chefcoach Frank Schaefer fest.

Carlitos, Jan Schlaudraff, Konstantin Rausch, Mohammed Abdellaoue - Hannovers anfangs regelrecht entfesselte Angreifer entfachten ein Feuerwerk an Möglichkeiten vor dem überragenden Michael Rensing im Kölner Gehäuse. „Wenn wir unsere Chancen nutzen, ist das Spiel entschieden“, meinte Schlaudraff.

Doch es kam ganz anders, und FC-Kapitän Lukas Podolski durfte artig Komplimente an den einstigen Münchner Kahn-Kronprinzen Rensing verteilen: „Wir können uns bei Michael bedanken, dass er uns im Spiel gehalten hat.“ Winter-Neuzugang Rensing flippte fast aus vor Freude nach dem sechsten Heimsieg seiner Mannschaft nacheinander: „Wahnsinn! Einfach unglaublich.“ Eine solche Serie gab es vor zuletzt 24 Jahren unter Christoph Daum.

Kölns Portugiese Petit (36. Minute) erzielte mit einem 18-Meter-Freistoß und seinem ersten Treffer 2010/2011 das 1:0, die Niedersachsen brachen danach völlig ein. „0:4 - das ist ein hartes Stück“, kommentierte Linksverteidiger Christian Schulz die heftige Pleite. Kölns Kapitän Podolski (60.) mit Saisontor elf und Bundesliga-Einschuss Nummer 50 und Milivoje Novakovic (79./89.) machten den höchsten FC-Erfolg der aktuellen Spielzeit perfekt und brachten ihr Team ein gutes Stück weiter weg von der Abstiegszone.

„Wir haben einen wichtigen Schritt gemacht, nicht mehr“, sagte Kölns Trainer Frank Schaefer. Doch mit jedem Sieg kommt der 47-Jährige einer Verlängerung seines im Oktober begonnenen Engagements näher. Doch der Vertrag wird erst dann erneut besiegelt, wenn Bundesliga-Premierenmeister Köln (1964) die Zugehörigkeit zur Beletage des deutschen Fußballs gesichert hat. Bis dahin bleibt es bei Schaefers Grundaussage, die trotz des 4:0 Bestand hat: „Jeder Spieltag ist ein neuer Kampf.“