Fußball-Portugal beweint „größte Schande der Geschichte“

Lissabon (dpa) - Portugal fürchtet den Sturz in die fußballerische Bedeutungslosigkeit. Nach der 0:1-Heimschlappe gegen Albanien im ersten Spiel der Qualifikation zur EURO 2016 fragen sich viele Kommentatoren am Tejo-Fluss: „Was kommt bloß nach Cristiano Ronaldo?

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Ohne den am Knie lädierten Weltfußballer lieferte die Seleção am Sonntag in Aveiro eine armselige Vorstellung. „Schande“, titelte die Sportzeitung „Record“ groß auf Seite eins: „Sogar die Abwesenheit von Cristiano Ronaldo rechtfertigt nicht so viel Unfähigkeit.“

Die 23 000 Fans im Estadio Municipal, die wie alle Portugiesen noch nicht die WM-Pleite von Brasilien mit Vorrundenaus und 0:4-Schlappe gegen Deutschland verdaut hatten, verloren in Aveiro endgültig die Geduld. Nachdem Bekim Balaj die in der Defensive stark spielenden Gäste mit einem spektakulären Volleyschuss in Führung gebracht hatte (52.), wurden das Heimteam und vor allem Trainer Paulo Bento nahezu pausenlos ausgebuht. Die empörten Fans winkten mit weißen Taschentüchern: Bentos Zeit ist nach Fan-Meinung abgelaufen.

Trotz deutlicher Feldüberlegenheit und einer Bilanz von 19:2 Torschüssen konnten sich die Portugiesen gegen den 70. der FIFA-Weltrangliste kaum gute Chancen erarbeiten. Die beste verpasste der junge Debütant Ricardo Horta (19) bei einem Lattenschuss in der 68. Minute. Wolfsburgs Vieirinha wurde nach der Pause ausgewechselt, und auch die Routiniers um Fábio Coentrão, Nani und João Moutinho vermochten kaum Akzente zu setzen.

„Totales Elend“, war am Montag auf Seite eins der Zeitung „O Jogo“ zu lesen. „A Bola“ schrieb von der „größten Schande der Geschichte unserer Nationalelf“. Man habe zu Hause „noch nie gegen einen so schwachen Gegner verloren.

Es war die erste Heimpleite seit 2008. Bento sah aber keinen Grund, sich zu entschuldigen. Er flüchtete sich in Ausreden. „Wir haben das Spiel beherrscht“ und „das Ergebnis ist nicht gerecht“, sagte er. Man könne „doch nicht zu Beginn alles in Zweifel stellen“, klagte der Trainer, noch sei in der Qualifikation alles drin. Besorgter äußerte sich Moutinho: „Wir haben nun keine Ausreden mehr. Wir müssen ab jetzt alle Spiele gewinnen.“

Als schwerste Gegner der Gruppe I hatte man in Portugal Dänemark und Serbien betrachtet, doch nach dem Überraschungscoup muss man wohl auch die Albaner mit auf die Rechnung nehmen. Die Dänen sind am 14. Oktober auswärts der nächste Gegner. Dann dürfte Ronaldo wieder mit dabei sein.

Doch selbst der Kapitän, der immer häufiger verletzt ist, ist alles andere als optimistisch. „Wir haben nur zehn Millionen Einwohner, deshalb ist es für uns nicht leicht, Topspieler zu finden“, sagte der Real-Madrid-Profi jüngst der Zeitung „The Telegraph“. Er träume davon, dass sein Sohn irgendwann einmal in seine Fußstapfen werde treten können, verriet „CR7“. Das hoffen Millionen Portugiesen auch - doch da ist Geduld nötig: Cristiano Ronaldo Junior ist erst vier.