Joachim Löw: Der Europameister-Macher

Joachim Löw orientiert sich nicht nur an Spanien, er ist dabei, ein ernsthafter Konkurrent für Spanien zu werden.

Stuttgart. Die Rollen haben sich verändert. Nein, sagt der Bundestrainer Joachim Löw, Stolz wäre nicht das richtige Wort, aber die Wertschätzung der Deutschen in Brasilien sei generell hoch. „Das freut mich, aber wenn Brasilien als Mannschaft funktioniert, sind sie Weltklasse. Ob das irgendwann gelingt, ist eine andere Frage.“

So spricht der dreimalige Weltmeister vom fünfmaligen, Löw ist deutlich anzumerken, wie gut ihm das 3:2 (0:0) seiner Mannschaft gegen Brasilien gefallen hat.

Nur wenige Minuten zuvor hat sein Kollege Mano Menezes in den Katakomben der Stuttgarter Arena ausgeführt, wie viel seiner Mannschaft noch fehlt, um gegen Deutschland bestehen zu können. „Sie haben 90 Minuten das Spiel dominiert, wir brauchen noch lange Zeit, bis wir so funktionieren wie diese deutsche Mannschaft.“

Und dann spricht Menezes über den 19 Jahre alten Mario Götze. Und er spricht von dem jungen Meisterspieler in dem Bewusstsein, in den eigenen Reihen einen wie Neymar zu haben. Ebenfalls 19 Jahre alt und auf dem Sprung vom FC Santos zu den „Königlichen“ in Madrid. „Götze hat immenses Potenzial, ich glaube, er kann ein ganz Großer werden“, sagt Menezes hochachtungsvoll.

Die Rollen haben sich verschoben. Und Joachim Löw hat das alles ganz bewusst herbeigeführt. Andere nannten den Test gegen Brasilien „blödsinnig“, unnötig, kontraproduktiv, Löw nutzte ihn zur ernsthaften Demonstration der Stärke. Löw wartete nicht bis zur 60. oder 70. Minute, ehe er wechselte.

Löw nahm Lukas Podolski und Mario Gomez nach enttäuschenden 45 Minuten aus dem Team, brachte Andre Schürrle und Miroslav Klose. Fortan änderte sich das deutsche Offensivspiel. Schürrle machte über außen Druck und Klose in der Sturmmitte, das Schwergewicht des Spiels verschob sich auf die Abwehrseite Brasiliens.

In Löws Mannschaft wollen alle spielen, alles drängt in die Nationalmannschaft. Und der Bundestrainer ist in einer komfortablen Situation. Ob die Deutsche Fußball Liga den Test für überflüssig hält, interessiert in diesem Team keinen. Sie wollen zeigen, wie stark sie sind. Sie nehmen den Konkurrenzkampf um die Plätze an. In dieser Nationalmannschaft steckt soviel positive Energie wie selten zuvor, vielleicht wie niemals zuvor.

„Ich bin wahnsinnig gerne bei der Nationalmannschaft“, sagt André Schürrle, der mit Bayer Leverkusen Meister werden will. Aber nur von der Nationalmannschaft spricht. Von der könne man „noch sehr viel erwarten“.

Und Götze will Teil der Befriedigung der Erwartungen sein. „Gegen Brasilien Druck zu machen, ist etwas anderes als im Verein.“

„Die Entwicklung ist gut, der Konkurrenzkampf ist wichtig“, spricht Löw. „Meine Spieler können die brasilianischen Individualisten in Schach halten, meine Spieler waren klasse.“ Ein Sieg über Brasilien beflügelt, genau das wollte Löw erreichen. Brasilien und Deutschland, die Rollen sind getauscht. Im Moment.

Aber um Spanien als Welt- und Europameister zu gefährden, „müssen wir uns noch weiter entwickeln“. Löw denkt nur daran, wie er Spanien bezwingen kann. Er kann das nur mit spielerischen Mitteln. Und genau auf diesem Wege befindet sich sein junges Team. Es ist keine grundsätzliche Frage mehr, ob die deutsche Mannschaft Spanien besiegen kann. Nur noch eine Frage der Zeit.