Großer Trubel im Uerdinger Bahnhof am Dienstagabend. Die Freunde und Förderer des KFC luden zum zweiten Teil ihrer Vorstellungsrunde ein. Am Montagabend hatten sie ihr Konzept bereits vor Sponsoren vorgestellt, nun waren die Fans an der Reihe. Wie am Dienstag berichtet, wurde ein Insolvenzverfahren gegen den KFC eröffnet. Um den Verein zu retten und in ruhige Fahrwasser zu bringen, stehen die Freunde und Förderer des KFC bereit. Jörg Wieczorek, der in der Vergangenheit bereits als Hauptsponsor in Erscheinung trat, ist einer der Hauptakteure. „Wir wollten hier und heute nicht sein. Eine fünfte Insolvenz wollte keiner. Am meisten tut mir die Mannschaft leid“, sagte er zu den Fans. Insgesamt sollen 15 Leute für einen zukunftssicheren KFC stehen. Zur Motivation der Freunde und Förderer sagte Wieczorek: „Der Verein war in den vergangenen 20 bis 25 Jahren immer wieder von einzelnen Personen abhängig. Als die sich dann zurückzogen, wurde es schwierig. Deshalb haben wir uns vor ein paar Monaten zusammengetan und gesagt, dass der Verein tot ist, wenn es keinen Plan B gibt. Genau das wollen wir verhindern.“
Heydel: „Eine Schande, was in
den letzten Monaten passierte“
Wie bereits berichtet, soll Bänker Norbert Philipp den Vorstandsvorsitz des Vereins in Zukunft bekleiden. Er gehört dem KFC-Kosmos laut eigener Aussage seit rund 40 Jahren an. „In mir ist tiefe Demut, dass ich jetzt hier stehe und eventuell in der Zukunft ein Amt in diesem Verein innehabe“, sagte er. Der Verein habe nur noch eine Chance, führte Philipp weiter aus. Die gebe es nur mit dem „Drei-Säulen-Modell“, bestehend aus Struktur, Finanzen und Sport. „Es geht nur dann, wenn alle Leute, die bisher in irgendwelchen Gremien waren, diese verlassen. Es braucht einen kompletten Neustart. Es wird keine ehemaligen Akteure geben, die wieder an Bord kommen.“
Sobald das neue Team auf einer ordentlichen Mitgliederversammlung von den Vereinsmitgliedern gewählt wurde, müsse zunächst die Satzung des Vereins angepasst werden, da diese noch aus einer Zeit stamme, in der der Verein nur aus Investoren an der Spitze bestand, erklärte Philipp. „Wir brauchen Überwachungsorgane, die auch eingreifen, überwachen und entscheiden dürfen und nicht nur abnicken.“
Spannend zu sehen sein wird auch die neue Kooperation mit dem SC Krefeld. Jörg Heydel, der Vorsitzende des Vereins, war genauso wie Michael Nagorny, der in Zukunft den Sport beim KFC managen soll, anwesend. Die Jugend soll das Fundament des Erfolgs sein. „Es stellt sich die Frage, warum stehe ich hier, da wir doch vor drei Monaten erst die bestehende Kooperation aus tiefster Überzeugung gekündigt haben“, beginnt Heydel seinen Vortrag zur Nachwuchsförderung und der neuen Kooperation mit dem SC Krefeld 05. Er selbst habe die Überzeugung, dass man zusammenstehen müsse, um etwas zu erreichen. Aus diesem Grund war er bereits vor drei Jahren auf den KFC zugegangen, um eine Kooperation ins Leben zu rufen. Nun wagt er einen Neuanfang. „Was in den vergangenen neun Monaten passiert ist, war eine Schande. Wie man mit der eigenen Jugend umgegangen ist, habe ich so noch nirgendwo erlebt, das war Fremdschämen pur. Im November war unsere klare Aussage, dass wir mit dem KFC nie wieder etwas zusammen machen werden“, sagte Heydel. Seine Sichtweise änderte sich, als Jörg Wieczorek das Gespräch mit ihm suchte. Heydel betonte, dass der ehemalige KFC-Hauptsponsor von Beginn an auf den SC Krefeld zuging und nach den Bedürfnissen der Krefelder fragte. „Wir wollen auf Jugendarbeit setzen und euch ins Boot holen“, so Heydel. Mit einer neuen zweiten Mannschaft und einer engen Zusammenarbeit in der Erkennung von jungen Talenten, möchten die Freunde und Förderer in Zukunft mit dem SC Krefeld zusammen einen Top-Fußballstandort am Niederrhein aufbauen.
Natürlich wurde auch über das Thema Finanzen und die sportliche Zukunft gesprochen. Beide Punkte gehen im Konzept einher. Man würde von Wieczorek und Co nicht hören, dass man in zwei, drei Jahren wieder in der zweiten oder dritten Bundesliga spielen müsse, erklärte er den anwesenden Fans. Langfristig möchte man den KFC wieder in den Profifußball zurückbringen, aber nicht von heute auf morgen. Auch wird es in Zukunft keine Transfers von Altstars wie Kevin Großkreutz oder Ailton geben, stellte Wieczorek klar. „Die Chance, dass wir im nächsten Jahr Oberliga spielen, ist sehr hoch, das ist gleichzeitig unser Basisszenario“, sagte er weiter. „Wenn Strukturen und Finanzen passen, kommt der Sport“, so Wieczorek. Mit einem Planungsbudget von 1,3 Millionen Euro wolle man in die neue Saison starten. Diese Summe spiegelt den Oberliga-Etat der Saison 2023/2024 wider. Um vorbereitet zu sein, habe man bereits „sehr gute Gespräche mit den städtischen Töchtern geführt“, führte er aus. In Zahlen stellt man sich vor, einen Kader für 500 000 Euro aufzubauen, 250 000 Euro sollen in die Verwaltung fließen, die Jugend soll mit 200 000 Euro bedacht werden, Spieltagsorganisation mit 120 000. Catering ist mit rund 100 000 Euro und der Merchandise-Verkauf mit 25 000 Euro eingeplant. Zusätzlich ist eine Budgetreserve von 100 000 Euro in der Etatplanung verankert, weil man nicht wisse, welche ungeahnten Kosten die Insolvenz mit sich bringe, erklärte Finanzexperte Dirk Mewesen.
Auf einer in sehr naher Zukunft einberufenen Mitgliederversammlung soll dann das Team bestimmt werden, damit es seine Arbeit aufnehmen und auch am Kader für die kommende Saison arbeiten kann. Norbert Philipp erklärte: „Michael Nagorny wird sicherlich derjenige sein, der eine Vorauswahl trifft. Wir müssen schauen, wer sich bewirbt und wen können wir aktiv ansprechen. Ich glaube, dass der Name des Vereins immer noch so groß ist und wir es trotz der ganzen Querelen hinbekommen, eine Mannschaft aufzustellen.“
Das Konzept der Freunde und Förderer sei alternativlos, weil es auf so vielen Köpfen und einem Konzept beruht, warb Wieczorek. Ob die Mitglieder den Weg mitgehen, werden die kommenden Wochen zeigen.