Kurzzeitig dürfte auch Rad-Weltmeister Tadej Pogacar gezuckt haben, als sein wichtigster Helfer Nils Politt zu Boden stürzte und mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen blieb. Doch einen Tag nach der Generalprobe für die Flandern-Rundfahrt gab das Team Entwarnung, beide Rennfahrer posierten auf einem Foto mit Sonnenbrillen und nach oben gestreckten Daumen. Das Kopfsteinpflaster-Spektakel kann kommen.
Der Kölner, der Pogacar schon bei dessen Tour-de-France-Sieg im vergangenen Jahr entscheidend unterstützte, wird am Sonntag (ab 9.45 Uhr/Eurosport) bei „De Ronde“ starten. Nach dem Sturz beim Halbklassiker Quer durch Flandern soll der glimpflich davongekommene Politt einen wichtigen Teil zum zweiten Flandern-Erfolg Pogacars beitragen.
„Zum Glück kann ich auf ein starkes Team zählen. Die Stimmung unter uns ist gut und alle sind fit, aber wir müssen alle einen super Tag haben, um zu gewinnen“, wurde der 26 Jahre alte Pogacar von der Nachrichtenagentur Belga zitiert.
2024 beendete Politt die Rundfahrt als Dritter - seine beste „Ronde“-Platzierung. Für den 31-Jährigen wird es die zehnte Teilnahme bei dem Monument sein. Auf die Erfahrung Politts baut auch der Superstar. „Die Tatsache, dass ich die Strecke nicht ganz kenne? Ich kann mich auf meine Teamkollegen verlassen, die die Strecken perfekt kennen“, sagte Pogacar, der zum dritten Mal teilnimmt.
Pogacar vs. van der Poel
Die Unterstützung wird der Superstar auf den Kopfsteinpflaster-Passagen gebrauchen können. Bei der 109. Auflage des Radsport-Monuments mit 269 Kilometern zwischen Brügge und Oudenaarde steht das nächste Gigantenduell zwischen Pogacar und dem formstarken Mathieu van der Poel bevor. Der amtierende Weltmeister trifft auf seinen Vorgänger. Beide gelten als die aussichtsreichsten Kandidaten auf den Sieg im Westen Belgiens.
Der dreimalige Flandern-Triumphator van der Poel will auf den Kopfsteinpflaster-Passagen unbedingt den nächsten Erfolg in der reichhaltigen Sammlung des slowenischen Ausnahmefahrers verhindern. 2023 siegte Pogacar mit 16 Sekunden vor dem Niederländer, im vergangenen Jahr feierte van der Poel seinen dritten Flandern-Erfolg - allerdings war Pogacar nicht dabei.
Pogacar: „Sprint vermeiden“
Vor zwei Wochen gewann van der Poel bei Mailand-Sanremo vor Pogacar im Sprint. „Glücklicherweise ist die Flandern-Rundfahrt ein ganz anderes Rennen als Mailand-Sanremo“, sagte Pogacar. Die Strecke fordere viel mehr Energie ein. Das Streckenprofil unterscheidet sich deutlich zu jenem in Italien. Der Tour- und Giro-Sieger will seinen Widersacher am liebsten zügig abschütteln. „Mathieu ist ein guter Sprinter“, meinte Pogacar und schob hinterher: „Ich werde also einen Sprint mit ihm vermeiden müssen.“
Kopfsteinpflaster liegen van der Poel. Der Sieg hätte für ihn einen besonders hohen Stellenwert. Er kann am Wochenende der alleinige Sieg-Rekordhalter bei der Rundfahrt mit dem anspruchsvollen Koppenberg werden. Aktuell teilt sich der Enkel des verstorbenen französischen Rad-Helden Raymond Poulidor die meisten Flandern-Erfolge mit Rennfahrern wie Fabian Cancellara und Tom Boonen.
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