Eine Faszination, die sich der Gastgeber Russland auf seine ganz eigene Art zu eigen gemacht hat — als wäre das Ganze abgesehen vom strömenden Regen bei der Siegerehrung von einer preisgekrönten Werbeagentur geplant worden.
Zum Beispiel mit wenig Pomp und Politik, auch mit wenig Glamour, dafür mit hervorragender Organisation, sehenswerten Stadien und Sicherheitsstandards — und mit eben jenen Dingen, die man (eigentlich, und das ist in diesem Zusammenhang nichts weniger als zu hoffen) nicht planen kann: zum Beispiel mit der Fröhlichkeit der russischen Bevölkerung, die alle WM-Berichterstatter beinahe durchgängig konstatiert haben. Munter statt grimmig, mutig statt ängstlich. Dazu der sportliche Höhenflug der russischen Mannschaft, die wie bestellt mithalten und zeitweise mit ihrer Energieleistung ein ganzes Land begeistern konnte.
Spätestens, als der US (!)-Hollywoodstar Will Smith bei der Abschlussfeier in Moskau über die Bühne schwebte und im vollbesetzten Luschniki-Stadion im weißen Anzug die offizielle Fifa-WM-Hymne „Live It Up“ intonierte, war klar: Hier stellt kein autoritäres Regime seine fletschenden Zähne hinter einem stählernen, aber durchsichtigen Vorhang zur Schau. Das Konzept war das Gegenteil: Russland präsentiert Weltoffenheit in Wohlfühlatmosphäre, mit bunten statt grauen Bildern von singenden Kindern aller Ethnien — und fast immer ohne Putin.
Putin-Spiele waren es auf diese Weise vordergründig nicht. Aber so widersprüchlich es klingen mag: Wahrscheinlich waren sie es deshalb umso mehr. Der erste Mann im Staat jedenfalls hat seine WM-Bilanz in diesem Zusammenhang passend schon gezogen: „Wir sind froh, dass unsere Gäste alles mit eigenen Augen gesehen haben, dass ihre Mythen und Vorurteile zerbrochen sind.“
Zur Erinnerung: Nach den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi 2014, als das Konzept ganz ähnlich angelegt war, hat das so überraschend anders rübergekommene Russland sich plötzlich die Krim einverleibt. Was bleibt und was kommt nach dieser WM?