Stadtteilbüchereien in Düsseldorf Ein Krimi-Fan leitet die Unterrather Bücherei
Düsseldorf · Anissja Rojek kommt aus München nach Unterrath, und sie hat viele Pläne für die Stadtteilbücherei, die immer mehr auch als Kulturzentrum und Treffpunkt genutzt wird.
Mit der 36-jährigen Anissja Rojek haben die Unterrather eine junge, aber erfahrene neue Bücherei-Leiterin. So hat die Fachangestellte für Medien und Informationsdienste neben ihrer Arbeit in der Münchener Stadtbibliothek auch noch Informationsmanagement studiert und schon in München mehrere Jahre eine Stadtteilbücherei geleitet. Seit Anfang des Jahres gehört sie nun zum Düsseldorfer Bibliotheksteam dazu, und seit Ende April hat sie die Leitung der Unterrather Bücherei und damit die Nachfolge von Sonja Hohnholt übernommen.
Für ihren Wechsel von München nach Düsseldorf führt Rojek gleich mehrere Gründe an. „Für mich war es einfach Zeit für neue Abenteuer. Zudem wollte ich näher an der Nordsee wohnen.“ Denn die große Leidenschaft von Rojek ist das Kitesurfen. Bei dieser Wassersportart wird der Surfer auf einem kleinen Brett durch einen Lenkdrachen über die Wellen gezogen. Da Rojek aber auch nicht auf das Großstadtleben verzichten wollte mit seinen zahlreichen Freizeit- und Kulturangeboten, fiel die Wahl auf Düsseldorf. „Zudem habe ich erfahren, dass die Düsseldorfer Bücherei zur Bibliothek des Jahres gewählt wurde.“
In den letzten Wochen hat sie sich zunächst mit dem System der Stadtbüchereien vertraut gemacht und sich einen Überblick über ihr Arbeitsfeld verschafft. Sie hat den Stadtteil erforscht und sich schon bei einigen Institutionen vorgestellt. So hat sie an den Grundschulen beispielsweise Werbung für den Sommerleseclub gemacht. „Jetzt haben die dort gleichzeitig auch ein Gesicht zur Bücherei erhalten.“
An ihrem Beruf liebt die Leiterin die Vielseitigkeit. „Wir arbeiten am Puls der Zeit und lernen immer etwas Neues, das wir dann weitergeben können.“ Ihr macht es Spaß, die Bürger zu unterstützen. Diese nutzen rege die Bibliothek. Rund 29 000 Besucher wurden 2023 gezählt, die aus den 22 000 Medien – darunter Spiele, DVDs und Zeitschriften – circa 156 000 Ausleihen tätigten.
Genutzt wird die Bibliothek von Menschen jeden Alters, wobei Kinder und Jugendliche zweidrittel der Nutzer ausmachen. Ganze Familien verbringen die Nachmittage in der Bücherei. Für diese Zielgruppe werden regelmäßig Veranstaltungen angeboten. So gibt es beispielsweise Vorlesestunden mit den Lesefüchsen oder Workshops mit Robotern und Lego. Rojek möchte künftig aber auch wieder verstärkt Veranstaltungen für Erwachsene anbieten. „Die Kunden sollen sich dabei einbringen können, also mitteilen, was sie sich wünschen oder selber Angebote machen.“ Wie das geht, zeigt beispielsweise eine Origami-Gruppe, die sich in den Räumen regelmäßig zum gemeinsamen Papierfalten trifft. Aber auch Lesungen oder Ausstellung sind Beispiele für mögliche Formate.
Um die Einrichtung noch attraktiver zu gestalten, die Aufenthaltsqualität zu steigern, würde sich Rojek unter anderem eine Erweiterung der Öffnungszeiten, mehr Arbeitsplätze für Schüler und Studenten und den Ausbau des beliebten Lesecafés wünschen. Dort treffen sich täglich viele Stammkunden, um einen Kaffee zu trinken und Zeitungen oder Zeitschriften zu lesen. „Ich mag in der Unterrather Bücherei die familiäre Atmosphäre. Man kann hier schnell eine Beziehung zu den Kunden aufbauen. Ich bin sehr zufrieden, mit dem, was ich hier vorgefunden habe. Daran kann ich gut anschließen, aber auch neue Ideen ausprobieren.“
Und neue Ideen können sich schnell zu einem Renner entwickeln. Das ist beispielsweise bei der Bibliothek der Dinge der Fall, die es seit einigen Monaten in Unterrath gibt. Die Nutzer können sich dort Gegenstände ausleihen. „Besonders gut laufen die Fitnessgeräte wie Schrittzähler oder Hula-Hoop-Reifen“, sagt Rojek. Bei den klassischen Medien punktet hingegen bei Jugendlichen die Fantasy-Reihen „Woodwalkers“ und „Seawalkers“, bei Erwachsenen Krimis und Thriller. Und was liest die Leiterin gerne? „Ich mag Ostfriesenkrimis, wahrscheinlich wegen meiner Liebe zur Nordsee. Und da besonders gerne die Bücher von Klaus-Peter Wolf.“