Dynamisches Klavierspiel, kraftvolle Bassriffs und federnde Rhythmen – beim Jazztrio Lýriska sind junge Könner am Werk. Wie der Bandname verrät, sind Pianist Marian Fricke, E-Bassist Luca Loeb und Schlagzeuger Daniel Louis Freunde lyrischer Stimmungen. Dass die drei gut miteinander klarkommen, merkten sie 2022 während des Studiums im niederländischen Arnheim. Ihr Markenzeichen sind gefühlvolle Eigenkompositionen, die sie durch Improvisationsenergie unter Strom setzen. Rock- und Funk-Elemente fließen durchgängig ein. Kurz: Der atmosphärisch dichte Trio-Sound gäbe erstklassige Filmsoundtracks ab.
Wuppertaler Fans kennen die Live-Qualitäten der Band schon durch Auftritte im Café Ada und beim Langen Tisch. Am Mittwoch spielte Lýriska im Jazzclub Loch in Elberfeld. Neben Titeln wie „Awakening“, „Half-Light“ und „Morse Code“, die man auf allen gängigen Internet-Plattformen hören kann, verspricht Fricke „zwei neue Stücke“ und ein indisches Volkslied als Coverversion. Mit dem Konzert im Loch bereiten die Musiker die Aufnahmen für ihr Debütalbum vor, das noch in diesem Jahr erscheinen soll.
Die guten Verbindungen des Trios zum Bergischen Land erklären sich aus Marian Frickes Biografie. Der Bandleader wuchs in Beyenburg auf und ging in Remscheid zur Schule. Mit dem Klavier begann er im Alter von fünf Jahren. Das klassische Repertoire wurde irgendwann durch die Hits von Queen ersetzt. Als der Schüler deren Songs vor der Klasse sang und sich selbst am Klavier begleitete, erhielt er viel Anerkennung und erkannte, dass Musik etwas für das ganze Leben sein könnte.
Mit 15 Jahren begann er eine studienbereitende Ausbildung an der Bergischen Musikschule. An der Hofaue wurden die Grundlagen für sein Musikstudium an der ArtEZ-Universität in Arnheim gelegt. „Da wird dir komplett freigestellt, was du machst“, schwärmt Fricke. Über die Verfeinerung des Klavierspiels hat er seine Stimme nicht vergessen. Nach erfolgreichem Bachelor-Abschluss macht er derzeit seinen Master im Fach Gesang: „Ab September bin ich wieder hier in Wuppertal.“ Neben den Lýriska-Konzerten tritt er als singender Pianist bei diversen Veranstaltungen auf.
Auch Daniel Louis‘ Laufbahn begann in der Schulzeit, und in wechselnden Bands spielte er unter anderem auf dem Jazzfestival Viersen. An der Uni in Arnheim lotet der Schlagzeuger die Möglichkeiten von Jazz und frei improvisierter Musik aus. Mit knapp 20 veröffentlichten Studioproduktionen und Engagements in ganz Europa hat sich Louis bereits als vielseitiger Musiker etabliert.
Stilistisch kommt Bassist Luca Loeb aus einer anderen Ecke. Vor seinem Studium hatte er in einer Reihe von Rock- und Metal-Bands gespielt. Selbst wenn er sich heute Jazz, Latin oder Pop widmet, schimmern seine Wurzeln durch. Als Virtuose der tiefen Töne prägt er den Sound des Trios entscheidend mit. Nach dem Studienabschluss ist Loeb nach Königswinter gezogen, und dort ist auch der Probenraum, in dem er sich mit den Kollegen von Lýriska trifft.
Mit Tönen ins Herz treffen und in Erinnerung bleiben– so lautet das Ideal, auf das sich die drei einigen können. Während andere Jazzer in erster Linie zum eigenen Vergnügen spielen, denkt Fricke an „Musik fürs Publikum“. „Ich möchte die Zuhörer berühren und mitnehmen“, betont er. Selbst wenn sich „odd metres“, also vertrackte Rhythmen durch ein Stück ziehen, fügen die Musiker eingängige Klänge hinzu.
Für sein Trio komponiert Fricke auf denkbar unterschiedliche Weise. Manchmal findet er am Klavier „ein nices Element“, aus dem sich mehr machen lässt. Oder er hört „sein privates Konzert im Kopf“ und gewinnt daraus Töne, mit denen er weiterarbeiten kann. Dann wieder lohnt es sich, Akkordverbindungen von Standards zu analysieren und darüber eine neue Melodie zu schreiben.
Obwohl die meisten Themen von Fricke stammen, gibt die Band ihnen stets den letzten Schliff: „Dabei hat jeder seine Freiräume.“ „Adventure“ heißt eine der jüngsten Kompositionen, die komplett zusammen geschrieben wurden – und auch auf der Loch-Bühne zu hören waren.