Berlin. Irgendwie sieht Deutschland für Denise Villis anders aus, seit sie im Ausland war. Ein halbes Jahr lang lebte die 22-Jährige als Entwicklungshelferin in Tapachula, einer 500 000-Einwohner-Stadt im Süden von Mexiko, gleich an der Grenze zu Guatemala. "Dann kam ich zurück, und alles war eng. Die Häuser waren hoch. Und alles war sauber, klar und strukturiert."
Und noch etwas hat die junge Frau aus Bielefeld festgestellt, wenn sie ihre Landsleute mit den Mexikanern vergleicht: "Hier redet man vor allem mit Leuten, die man kennt. Und hat Angst vor den anderen."
Solche und ähnliche Erfahrungen haben in den vergangenen Monaten viele junge Deutsche gemacht. Bereits mehr als 2100 Bundesbürger zwischen 18 und 28 Jahren haben sich an einem Freiwilligen-Projekt namens "weltwärts" beteiligt, das das Entwicklungsministerium zu Beginn dieses Jahres aus der Taufe gehoben hat.
Die meisten gingen gleich nach dem Abitur oder während des Studiums in Länder wie Mexiko, Indien oder die Dominikanische Republik. Aber auch 200 junge Leute mit Hauptschul-Abschluss waren dabei.
Mindestens ein halbes Jahr dauern die Einsätze fern der Heimat, für die es pro Monat 580 Euro gibt. Viel Geld ist das nicht. Aber in den meisten Ländern reicht das aus, um Unterkunft, Verpflegung, Reisekosten und Versicherung zu decken. Nur wenige kamen vorzeitig zurück. Später einmal, so die Planung, sollen mit "weltwärts" jedes Jahr 10 000 junge Deutsche unterwegs sein.
Bewerbungen gibt es bereits genug. Aus dem Entwicklungs-Etat stehen dafür bis zu 70 Millionen Euro zur Verfügung. "Der Dienst darf nicht vom Geldbeutel der Familien abhängen", sagt Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Die "Förderung der sozialen und kulturellen Kompetenz" sei eines der erklärten Zielen des Projekts, das im ersten Jahr 15 Millionen Euro kostete.
Unter den Teilnehmern sind viele, denen es nicht reicht, nur bei globalisierungskritischen Demonstrationen auf der Straße dabei zu sein. Sie wollen - wie Denise Villis - praktische Arbeit leisten. Die Bielefelderin kümmerte sich in der "Albergue Buen Pastor del Pobre y el Migrante" um Flüchtlinge aus Guatemala, die auf dem Weg in die USA bereits an der Grenze zu Mexiko gestrandet waren. "Als ich zurück kam, war ich zufriedener als bei der Abreise."