Was an den Auftritten des Gaddafi-Sohnes schockierend wirkt, ist die Lässigkeit bis hin zum Zynismus, die Saif al-Islam an den Tag legt, wenn er über Folter spricht. Doch im Vergleich zu seinem Vater wirkt der Absolvent einer Londoner Universität geradezu fortschrittlich. Er behauptet, das libysche System langsam umbauen zu wollen und glaubt, dass Libyen eine Verfassung und eine effektive Verwaltung haben sollte. Er sprach sogar von Demokratie als Ziel.
Saif al-Islam, Schwert des Islam, hat Muammar al-Gaddafi seinen Sohn genannt. Durch religiösen Eifer ist der „Kronprinz“ aber bislang nicht aufgefallen. Die Aufständischen, die sich gegen ihn und seine Familie erhoben haben, stempelt er als radikale Islamisten ab. So versucht er, im Volk Angst vor einem radikalen Gottesstaat zu schüren.