Eine Kunstperformance im Nachtklub? Das machte neugierig, zumal es in der Einladung kryptisch hieß: „Ich wünsche mir, dass sich die Gäste in lebende Skulpturen verwandeln“ – verbunden mit dem vagen Hinweis „Sich verkleiden, performen, tanzen, spielen, singen, sich bewegen, gestalten – alles ist möglich“. Am Eingang der Rudas Studios im Medienhafen konnten sich die Gäste von einem langen Tisch Verkleidungsutensilien aussuchen, wie witzige Brillen, Handschuhe mit leuchtenden Fingerspitzen, bunte Federboas, Masken, Hasenohren oder blinkende Accessoires, die manche sich ins Haar stecken, andere an ihre Jacken. Im Hintergrund wummerten die Deep Hous Bässe, legte ein DJ auf.
Wer Maxim Wakultschik schon kennt, weiß, dass er Dinge nicht gerne akribisch plant. Das störe nur die Kreativität, findet der in Minsk/Weißrussland geborene Maler und Objektkünstler. Die Idee zu seiner Ausstellung „Synergetics – Im Rausch der Sinne“ sei entstanden, als er seinen jüngsten Geburtstag feierte. „Da kamen so viele Leute hin und mir gefiel, dass sie sich in immer wieder neuen Konstellationen zusammengefunden und danach wieder getrennt haben“, erzählte Wakultschik.
Der ganze Abend war ein Experiment. Gewissermaßen eine Weiterentwicklung seiner Geburtstagsfeier im größeren Format. „Ich hatte erst überlegt, alles selbst zu organisieren. Aber mein Atelier in Unterbilk ist dann doch dafür zu klein“, sagte der Wahl-Düsseldorfer. Als das Angebot kam, in die Rudas Studios zu gehen, „habe ich gleich zugegriffen“, sagte der 52-jährige.
Die Gäste standen an der Bar, unterhielten sich und einige tanzten für sich allein zu den Beats aus den Lautsprechern. Dass sie selbst Teil der Performance waren, nahmen sie alle gelassen. Manchen war es gar nicht bewusst. „Ich lasse mich einfach mal überraschen. Es ist ein großer Spaß“, sagte eine Besucherin, die sich mit blinkenden Lämpchen dekoriert hatte und weiße Hasenohren im Haar trug. Auf der Nase hatte sie eine übergroße lilafarbene Brille.
Der Gastgeber hatte sich vor allem Dynamik in der Veranstaltung gewünscht, er wollte keine Gäste, die nur herumstehen und beobachten. Doch genau das passiert, wenn niemand weiß, was passieren wird und es auch keine Hinweise gibt, wohin die Reise gehen soll. Denn nicht jedem ist es in die Wiege gelegt, extrovertiert zu sein. Oft braucht es jemanden, der den Anfang macht, um anderen den Mut zu geben, einmal aus sich herauszugehen und einfach etwas zu probieren.
Wakultschiks Werke waren an diesem Abend nicht zu sehen
Zum Beispiel zur lebendigen Statue zu werden oder eine wilde Tanzperformance aus Parkett zu legen. Maxim Wakultschik war da aber ganz entspannt. „Ich habe den Namen Synergetics ganz bewusst gewählt, weil ich die Synergien zwischen den Leuten fördern möchte.“ Ganz zufrieden war er mit dem Namen dann aber nicht: „Da werde ich noch mal etwas verändern, denke ich“.
Wakultschiks Werke waren an diesen Abend nicht zu sehen. „Nein, die stelle ich aus. Aber das hier ist eine andere Art der Kunst, eine Performance ohne Regeln, die Kreativität fließen lässt“, sagte der Maler. Gleichzeitig sah er das Happening als Plattform für kreative Menschen sich auszutauschen und zu vernetzen. Denn daraus, davon ist er überzeugt, entstehe erst die wahre Kunst, die sich nicht in Konventionen verliert, sondern frei und unabhängig ist.
Bekannt ist der Wahl-Düsseldorfer für seine aus unzähligen Holzstäbchen gefertigten Frauenporträts, darunter von Frida Kahlo. Mit seinen Arbeiten ist er international zu sehen und aufgestellt – mit Ausstellungen zum Beispiel in der Schweiz, Süd-Korea, Spanien, USA oder China.
Doch seiner Wahlheimatstadt Düsseldorf ist er sehr verbunden und hat große Pläne. „Ich habe so viele Ideen. Zum Beispiel könnte ich mir eine Art Kunstakademie für Kinder aus sozial benachteiligten Familien vorstellen, um ihre Talente zu fördern.“ Seine künstlerische Ausbildung in Weißrussland, die auch Ausflüge in andere Disziplinen wie Philosophie beinhaltete, habe ihm eine weitere und andere Sicht auf die Kunst gegeben, als er es an der Kunstakademie in Düsseldorf erfahren habe, sagte er. Und das will der internationale Künstler gerne weitergeben.