Ein schöner Wochenmarkt kann einen Stadtteil eigentlich nur aufwerten, stellt er doch weit mehr dar als nur die Möglichkeit, frische Lebensmittel, Blumen und mehr einkaufen zu können. Wenn die Rahmenbedingungen und die Vielfalt stimmen, kann der Besuch eines Wochenmarktes einen durchaus hohen Erlebniswert haben und einen womöglich ansonsten kahlen und langweiligen zu einem pulsierenden Platz machen, auf dem sich Menschen begegnen und ins Gespräch kommen.
Nun ist das nicht immer alles so einfach, denn zum einen wollen die Kunden eine breite Angebotsvielfalt vorfinden, die Händler wiederum Geld verdienen. Und so gibt es funktionierende Beispiele wie auf dem Kolping- oder Hermannplatz. Aandere Wochenmärkte wiederum wurden längst eingestellt (etwa auf dem Münsterplatz), weil beide Seiten eben unzufrieden waren und sich so ein schleichender Tod einstellte.
Irgendwo dort in der Mitte befindet sich der Wochenmarkt auf dem Gertrudisplatz in Eller. An manchen Tagen wie zum Beispiel donnerstags macht der Markt einen sehr lebendigen Eindruck, wenn an acht ganz unterschiedlichen Ständen Waren angeboten werden. An anderen Tagen ist jedoch weit weniger los.
Das haben auch die Politiker in der Bezirksvertretung 8 erkannt, von „existenzbedrohenden Zuständen“ ist die Rede, man will in diesem Jahr konkrete Maßnahmen einleiten und gegensteuern – denn Potenzial hat der Wochenmarkt in Eller, das sagt auch das Marktamt, man muss es nur zu nutzen wissen.
Andreas und Nadine Eyckeler aus Hamm sind erst seit Ende vergangenen Jahres dreimal die Woche auf dem Gertrudisplatz anzutreffen, nachdem sie lange in der Woche ihren Stand mit Obst und Gemüse in Wuppertal-Ronsdorf aufgebaut hatten; der Samstag ist ohnehin seit 22 Jahren für den Hermannplatz reserviert. Auch in Wuppertal sei die Zahl der Händler zuletzt immer weniger geworden, sagt Nadine Eyckeler, habe die Attraktivität stark gelitten. „Da wir ohnehin lieber die ganze Woche über in Düsseldorf bleiben wollten, haben wir uns quasi blind für Eller entschieden, als sich die Möglichkeit bot, und sind ins kalte Wasser gesprungen, ohne uns vorher die Verhältnisse genau angeschaut zu haben.“ Und so schlecht, wie viele sagen würden, sei es auch gar nicht. „Der Blumenhändler ist neu, die Landfleischerei Heißener Hof ebenfalls, hinzu kommen der Geflügelhof Ingenbleek und Fisch Schaufenberg. Hier tut sich doch was“, sagt Eyckeler.
Mit dem samstäglichen „Schaulaufen“ auf dem Hermannplatz sei das trotzdem nicht zu vergleichen: „Das ist ein sehr junges Publikum, die Leute haben Zeit, der Markt hat Eventcharakter“, sagt die Obst- und Gemüsehändlerin. Auch die gut frequentierten Bauernmärkte, neben dem Kolpingplatz etwa ebenso auf dem Friedensplätzchen, würden ohnehin in einer anderen Liga spielen, da dort nur verkauft werden darf, was selbst angebaut wurde. Die Märkte werden zudem auch nicht von der Stadt organisiert, sondern in Eigenregie betrieben.
Nadine Eyckeler ist ungeachtet dessen positiv überrascht von Eller und den Menschen: „Wir wurden total freundlich aufgenommen, die Leute sind regelrecht dankbar für das Angebot hier.“ Inzwischen würden teilweise sogar Kunden aus Flingern nach Eller kommen. Das Manko in Eller jedoch: Der Wochenmarkt ist halt nicht an allen Tagen gut bestückt, und wenn die Lücken groß sind, leidet zwangsläufig die Attraktivität.
CDU und Grüne hatten in der Bezirksvertretung 8 jetzt eine Anfrage zur Zukunft des Wochenmarkts gestellt. Demnach habe noch im Vorjahr ein runder Tisch mit Politik, Verwaltung und Händlern stattgefunden, bei dem Letztere auch ihre Ideen und Sorgen mitteilen konnten. Bis jedoch wirklich Konkretes passiert, könnte es noch etwas dauern.
In diesem Jahr soll erst mal ein Fragenkatalog entwickelt werden. Aus den Ergebnissen sollen dann Maßnahmenvorschläge entwickelt und diese vor dem Hintergrund der Machbarkeit und Finanzierbarkeit bewertet und priorisiert werden. Perspektivisch sollen die Erfahrungen und Ergebnisse des Pilotprojektes Eller dann in die Beauftragung eines externen Dienstleisters münden.