Prozess in Düsseldorf Lieferauto gestohlen und Boten verletzt – lange Haftstrafe für 55-Jährigen

Düsseldorf · Mitten am Tag hatte ein Mann auf der Grafenberger Allee in Düsseldorf ein Lieferauto gestohlen und den Boten schwer verletzt. Der wollte ihn aufhalten, sprang auf die Motorhaube und wurde Hunderte Meter mitgeschleift. Dafür muss der Dieb nun lange ins Gefängnis.

Der 55-Jährige mit seinem Anwalt Maximilian Keser zum Prozessauftakt im Landgericht Düsseldorf Ende März 2025.

Foto: Marlen Keß

(kess) Ein 55-jähriger Mann aus Berlin, der Ende Juli 2024 in Düsseldorf ein Lieferfahrzeug gestohlen und dabei den Boten schwer verletzt hatte, muss für acht Jahre ins Gefängnis. Das entschied die zuständige Strafkammer des Landgerichts Düsseldorf bereits am zweiten Verhandlungstag und verurteilte den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung, räuberischen Diebstahls, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Damit folgte die Kammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Das Verfahren war nach dem Geständnis des Mannes zum Auftakt erheblich verkürzt worden.

Der 55-Jährige hatte eingeräumt, die Tat wie angeklagt begangen zu haben – allerdings betont, es sei nicht sein Ziel gewesen, den Boten zu verletzen. Er hatte das Lieferfahrzeug mitten am Tag auf der Grafenberger Allee gestohlen.

Als sich der Bote ihm in den Weg stellte und ihn damit aufhalten wollte, fuhr der Mann los, ungeachtet der Tatsache, dass der 40-Jährige sich noch an der Motorhaube festhielt. So ging es mehrere Hundert Meter über die viel befahrene Straße, dabei fuhr der Mann an mehreren Ampeln vorbei. Erst am Staufenplatz ließ der Bote schließlich den Lieferwagen los und prallte gegen ein parkendes Auto. Der 55-Jährige fuhr aber weiter und entkam zunächst. Er konnte aber später in einem Hotel in Süddeutschland festgenommen werden.

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Der Bote erlitt schwere Verletzungen. So waren seine Füße unter das Fahrzeug geraten. Der 40-Jährige musste mehrfach operiert werden. Inzwischen geht es ihm besser und er kann auch wieder als Bote arbeiten. Er sagte aber am ersten Verhandlungstag, dass er immer noch unter dem Geschehen leide: „Ich glaube, ich werde nicht mehr so wie früher sein.“ Auch Zeugen des Geschehens hatten dramatische Szenen geschildert: Eine junge Frau sagte, die Schreie des Mannes auf der Motorhaube höre sie bis heute.

Nun muss der 55-jährige Mann für acht Jahre ins Gefängnis. Das Düsseldorfer Landgericht folgte dabei der Forderung der Staatsanwaltschaft, der Verteidiger des Mannes hatte für eine etwas kürzere Haftstrafe plädiert.

Der 55-Jährige saß indes bereits in Haft, weil er im Dezember vom Amtsgericht Ravensburg wegen eines besonders schweren Falls von gewerbsmäßigem Diebstahl ebenfalls zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden war.

(kess)